Mein Abschlussbericht – So war mein China-Abenteuer

„Change the way you look at things and the things you see will see“ ist ein Zitat vom amerikanischen Psychologen und Autor Wayne Dyer und zugleich die Einstellung, die ich täglich verfolge und mit der ich mich in der Welt bewege. Da ich Europa, die USA und Australien bereits verhältnismäßig gut kenne, war es nun an der Zeit mich einmal in das auf den ersten Blick so fremde Asien zu wagen. Genauer gesagt habe ich mich dazu entschieden, ein Auslandsjahr in der zweitgrößten Volkswirtschaft und dem bevölkerungsreichsten Land der Welt zu verbringen: China.

Die Entscheidungsfindung – Warum ich mich für China entschieden habe

Schon immer hatte ich ein gewisses Grundinteresse für die chinesische Kultur und Sprache. Es gibt unzählige Vorurteile und keiner scheint so wirklich zu wissen, was China ausmacht und wie die Chinesen tatsächlich sind. Häufig werden mit China nur das ungewöhnliche Essen, die schwere Sprache oder Marotten wie Spucken und Rülpsen assoziiert. Noch immer ist China vielen als „Werkbank der Welt“ und für die billige Arbeitskraft bekannt. Ich selbst wusste auch nicht viel mehr über China und war daher der Meinung, es sei an der Zeit, das Reich der Mitte, das vor allem wirtschaftlich weltweit eine immer größere Rolle spielt, kennenzulernen.

Ein weiterer Grund war für mich, dass ich nach dem Abitur eine weitere Fremdsprache erlernen wollte. Chinesisch bzw. Mandarin gelten häufig als ultimative Herausforderung aller Fremdsprachen. Da ich Herausforderungen liebe war Chinesisch die perfekte Wahl und somit ein zweiter ausschlaggebender Grund, dass ich mich für China entschieden habe.

Meine Einsatzstelle – Das Goethe-Sprachlernzentrum an der Fremdsprachenuniversität Xi’an

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Das Goethe-Sprachlernzentrum an der Fremdsprachenuniversität Xi’an ist eines von insgesamt neun Sprachlernzentren in China, die alle Kooperationspartner des Goethe-Instituts in Beijing sind. Der Hauptunterschied zum Goethe-Institut ist, dass die Sprachlernzentren keine eigene Kulturabteilung haben und ausschließlich Sprachkurse anbieten. Da sich die Kultur aber nicht von der Sprache trennen lässt und das Goethe-Institut es sich zur Aufgabe gemacht hat ein „umfassendes Deutschlandbild“ zu vermitteln, werden Freiwillige in einigen der Sprachlernzentren platziert, um die deutsche Kultur durch entsprechende Zusatzangebote weiterzutragen und verständlicher werden zu lassen.

Das Goethe-Sprachlernzentrum in Xi’an kooperiert zusätzlich mit der Fremdsprachenuniversität Xi’an und befindet sich auf dem alten Campus der Universität. Mittlerweile werden in diesem Sprachlernzentrum seit über zehn Jahren Deutschkurse angeboten.

Von der Organisation kultureller Veranstaltungen bis zum Marketing – Meine Aufgabenbereiche

Meine Aufgabenbereiche im Sprachlernzentrum waren vor allem eins: vielseitig! Ich hatte großen Freiraum sowohl in der Auswahl als auch der Ausführung der jeweiligen Bereiche und konnte somit über den Tellerrand einzelner Arbeitsfelder hinausblicken. Dennoch bestand meine Hauptaufgabe darin, die deutsche Kultur durch die Planung und Durchführung kulturell-orientierter Veranstaltungen an die Studenten des Sprachlernzentrums zu vermitteln. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, veranstaltete ich unter anderem ein Oktoberfest, eine Weihnachtsfeier, Spiel-, Koch- und Filmabende und Präsentationen über Themen wie das deutsche Hochschulsystem. Außerdem habe ich eine Deutsche Ecke zum interkulturellen Austausch ins Leben gerufen und ein dreiteiliges Seminar mit dem Titel „Deutschland – Ein Land mit vielen Facetten“ entworfen und angeboten sowie einen Postkarten-Design-Wettbewerb initiiert. Neben solchen Veranstaltungen durfte ich zusätzlich die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. So war es beispielsweise meine Aufgabe, unseren Blog zu pflegen und unseren WeChat-Account mit Inhalten zu füllen. Darüber hinaus habe ich die Website des Sprachlernzentrums umgestaltet und ein Design für ein Schreibheft, welches zu Werbezwecken ausgegeben wird, entworfen.

Mehr als „nur“ ein FSJ – Der Sprachkurs an der Xi’an International Studies University

Neben dem Freiwilligendienst selbst habe ich zusätzlich an der Xi’an International Studies University (XISU) an einem Sprachkurs teilgenommen. Vier Stunden pro Tag durfte ich Mandarin lernen, was überraschenderweise einfacher war als ich es damals erwartet hatte. Durch den täglichen Unterricht lernte ich nicht nur die Sprache, sondern kam auch mit vielen Internationals in Kontakt, die insbesondere in China häufig eine enge Community bilden. Weil in Zhongguo, wie China auf Chinesisch heißt, nur ein Bruchteil der Bevölkerung Englisch spricht, war es eine große Hilfe den Kurs zu besuchen. Auch im Sprachlernzentrum waren meine wachsenden Chinesisch-Kenntnisse von Vorteil, um kurze Texte auf Chinesisch zu verfassen und mich mit jenen Studenten zu unterhalten, die erst gerade begannen Deutsch zu lernen.

Von der Chinesischen Mauer bis zu einem TV-Interview – Meine prägendsten Erlebnisse

Während meines Auslandsjahres habe ich nicht nur viel gearbeitet sondern auch viel erlebt und gesehen. Unter anderem bin ich während der Zeit in Australien, Vietnam und Kambodscha gewesen, habe mir aber auch viele Orte und Städte innerhalb Chinas angeguckt (Shanghai, Beijing, Hongkong…). Die Chinesische Mauer war dabei sicherlich eines der Highlights und die Wanderung auf ihr eines der schönsten Erlebnisse. In Xi’an selbst durfte ich unter anderem an der TEDxXi’an Women Conference 2017 teilnehmen und habe die während meines Auslandsjahres von mir gemachten Fotografien in einer großen Fotoausstellung ausstellen dürfen. In einem anschließenden TV-Interview hatte ich dann noch die Möglichkeit für den interkulturellen Austausch zu werben und meine Erfahrungen zu teilen.

Prägend waren aber vor allem auch die Begegnungen mit Menschen. Das Interesse an meiner Person war immer sehr groß, vor allem auch da man in China als Europäer auch heute noch eine Besonderheit ist. Neben vielen Fotos und Selfies, für die ich posiert habe, habe ich aber auch sehr viele Chinesen kennengelernt, die an der deutschen Kultur interessiert waren und mir einen Einblick in ihr Leben und ihre Sichtweisen gewährt haben.

Heute sehe ich China mit anderen Augen – Das habe ich während meines Auslandsjahres gelernt

Ich habe aber nicht nur viel erlebt, sondern auch eine ganze Menge gelernt. Durch mein Auslandsjahr weiß ich viele Dinge in Deutschland jetzt erst wirklich zu schätzen und habe gemerkt, wie privilegiert wir in Deutschland und als Europäer eigentlich leben. Hiermit beziehe ich mich vor allem auf die politische Situation: China ist ein kommunistisches, von einer einzigen Partei regiertes Land, das eine andere Vorstellung von Themen wie Menschenrechten und Bereichen wie Presse- und Meinungsfreiheit hat, als wir vertreten. Die Kontrolle durch die Regierung ist allgegenwärtig. Im Alltag wird man zum Beispiel durch die ausgedehnte Zensur, die auch soziale Medien wie Facebook und Instagram umfasst, immer wieder daran erinnert.

Nichts desto trotz befindet sich China zurzeit im Umbruch und ich würde behaupten, dass der ehemals „schlafende Drache“ schon längst erwacht ist. In vielen Bereichen befindet sich das Land auf der Überholspur und ich konnte förmlich spüren, wie es wirtschaftlich und teilweise technologisch am Westen vorbeizieht. Mobiles Bezahlen, eine ausgeklügelte Verkehrsinfrastruktur und die Belt and Road Initiative sind nur einige Beispiele, die den Fortschritt Chinas verdeutlichen.

Doch auch im kleinen Format, für und über mich persönlich, konnte ich eine Menge aus dem Jahr mitnehmen. Selbstverständlich habe ich festgestellt, dass viele Vorurteile, die wir gegenüber Chinesen pflegen, nicht oder nicht mehr zutreffend sind. Es wird weder ständig gerülpst, noch isst die Mehrheit der Chinesen Hundefleisch. Ich habe mir von den Chinesen vor allem die Offenheit gegenüber neuen Technologien abgeschaut, die mit solchen ganz im Gegensatz zu den meisten Deutschen, wenige bis keine Berührungsängste haben. Auch bin ich ein ganzes Stück flexibler geworden, musste für mich aber auch feststellen, dass China selbst nach einem Jahr noch immer nicht wirklich familiär wirkt. Zwar konnte ich mich meiner Einschätzung nach kulturell durchaus gut anpassen, habe aber trotzdem gemerkt, dass ich mich mit dem westlichen Lebensstil mehr identifizieren kann.

Das große Ganze – Mein Beitrag zur Völkerverständigung

Die Idee eines Freiwilligendienstes ist aber nicht nur für sich selbst viel zu lernen, sondern auch sein Heimatland als eine Art junger Botschafter zu vertreten und sich somit aktiv am interkulturellen Austausch zu beteiligen. Auf der einen Seite vermittelt man als Freiwilliger die eigene Kultur und die damit verbundenen Wertvorstellungen, lernt aber auch die des Gastlandes kennen und bringt die dadurch entstandenen Eindrücke und Erkenntnisse am Ende mit zurück in sein Heimatland. Dieser Beitrag zur Völkerverständigung ist meiner Auffassung nach nicht zu unterschätzen und auch im kleinen Format elementar. Durch die von mir angebotenen Veranstaltungen, die vielen Gespräche, meine Fotoausstellung und kleine Gesten wie das Posieren für Fotos und Beantworten von Fragen, glaube ich, meinen Beitrag hierzu geleistet haben zu können.

Mein Fazit – Würde ich es nochmal machen?

Würde ich noch einmal ein Auslandsjahr machen? Aber klar doch, die Frage ist nicht ob sondern vielmehr wann! Für mich war China ein riesen Abenteuer, eine Zeit, die vor allem lehrreich und augenöffnend war. Die Kombination aus Sprachkurs und Freiwilligendienst war für mich die perfekte Wahl, China als Land ebenfalls die richtige Entscheidung. Gerade weil das Land so anders ist konnte ich einen anderen Blick auf China, aber auch auf Deutschland gewinnen. Zwar haben sich meine Wertvorstellungen nicht grundlegend verändert, dennoch habe ich meine Einstellung gegenüber einigen Bereichen geändert. China und Asien erscheinen mir nun deutlich nahbarer und familiärer. Dennoch fühle ich mich nach dem Jahr umso mehr der deutschen Kultur und dem europäischen Gedanken verbunden. China gänzlich verstehen werde ich wohl nie, aber zumindest sind mir viele Praktiken nun verständlicher geworden. Als Destination für ein Auslandsjahr ist China absolut zu empfehlen, persönlich kann ich mir aber nicht vorstellen bei der jetzigen politischen Lage für eine längere Zeit in dem Land zu leben. Mein China-Abenteuer ist nun vorbei und ich nehme unglaublich viele Erfahrungen, Eindrücke, Erlebnisse und Freundschaften daraus mit. Es war eine unvergessliche Zeit, die mich zum Nachdenken gebracht hat und mir zugleich einmal mehr bewusst werden ließ, wie bunt und vielseitig unsere Welt doch ist.


Dies ist mein letzter Blogbeitrag auf MeinChinaAbenteuer. Die Website und Beiträge bleiben weiterhin bestehen, es werden jedoch keine neuen Artikel mehr folgen. Ich bedanke mich bei all denjenigen, die meine Beiträge gelesen haben und meinen Blog während den vergangenen Monaten verfolgt haben. Ich hoffe, ich konnte Euch die chinesische Kultur etwas näher bringen und bei dem ein oder anderen vielleicht ja sogar den Gedanken entfachen, China einmal selbst zu erkunden. So oder so, herzlichen Dank für die unzähligen Kommentare, die über 2.000 Besucher, die mir entgegen gebrachte Unterstützung und Eurem Interesse! 谢谢!

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VPN ist ein Muss (Teil 30)

Von der chinesischen Regierung werden viele westliche Apps und Internetseiten blockiert. So sind in ganz China alle Google-Anwendungen (inklusive der Suchmaschine, des Play Stores und Google Maps) nicht erreichbar. Auch nahezu alle großen Social Media Dienste wie Facebook, Instagram, Snapchat und WhatsApp sind der chinesischen Bevölkerung nicht oder nur eingeschränkt zugänglich, genauso wie die Websites vieler ausländischer Nachrichtenagenturen. Wer dennoch all diese Dienste nutzen will und uneingeschränkt im Netz surfen möchte, sollte noch vor Antritt einer China-Reise eine sogenannte VPN  („Virtual Private Network“) installieren. Für Smartphones gibt es im App bzw. Play-Store unzählige solcher Apps, mit denen man die Sperre umgehen kann. Da der Besitz einer solchen Anwendung zum jetzigen Zeitpunkt nicht illegal ist, benutzten auch viele Chinesen und ausländische Unternehmen eine VPN.

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Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 29 über Dinge, die du vor einer Taxifahrt in China wissen solltest.

Niuroupaomo – ein Gericht, bei dem man im Restaurant selbst Hand anlegen muss

In den nächsten Wochen stelle ich euch insgesamt drei Gerichte vor, die Spezialitäten von Xi’an sind und jeweils eine ganz besondere Geschichte haben. Freue dich auf die wohl längste Nudel der Welt mit dem gleichzeitig kompliziertesten Schriftzeichen der Welt, die Urform des Hamburgers und auf ein Gericht, bei dessen Zubereitung der Restaurantgast selbst Hand anlegen muss. Zusätzlich empfehle ich gerne noch einmal meine Reportage über den chinesischen Feuertopf.

Kannst du dir vorstellen von einem Koch gebeten zu werden, ein Teil deines Essens selber zuzubereiten? Z.B. das Gemüse für deiner Suppe kleinzuschneiden? Nein? Nun ja, genau das passiert wenn man in Xi’an Niuroupaomo bestellt. Um das Gericht zuzubereiten muss nämlich ein Brötchen in möglichst kleine Stücke zerbröselt werden, je kleiner desto besser. Um dies zu gewährleisten und die aufwendige Arbeit nicht selbst erledigen zu müssen, wird die Aufgabe einfach an den Gast übertragen. Und so saß ich schon öfters im Restaurant mit einer Schüssel vor mir, in die ich geduldig mein Brötchen bröselte. Zur Einordnung: Meine Bestzeit war eine halbe Stunde, in der Regel brauche ich sogar vierzig Minuten. Chinesen sind zwar häufig schneller, brauchen aber auch mindestens eine viertel Stunde. Wenn man sozusagen fertig gebröselt hat bringt man die Schüssel zum Koch, der diese dann mit einer Brühe aus Fleisch und Nudeln befüllt (und dafür keine fünf Minuten braucht). Das daraus entstehende Gericht ist nicht nur wahnsinnig lecker sondern zugleich unwahrscheinlich sättigend. Solltest du auch einmal in Xi‘an Niuroupaomo bestellen, wunder dich also nicht, wenn der Koch dir eine Schüssel und ein Brötchen gibt, jetzt weißt du ja was zu tun ist.

C wie Chuzuche (Teil 29)

Chuzuche (出租车) ist die chinesische Übersetzung für Taxi. Bei diesen gibt es gleich mehrere Dinge zu beachten, zum Beispiel dass es offizielle und inoffizielle gibt. Die inoffiziellen Taxis erkennt man schlichtweg daran, dass man sie nicht erkennt. Sie haben weder einen Taxischriftzug noch eine besondere Lackierung sondern stoppen einfach am Straßenrand, wenn man so aussieht, als brauche man eines. Als Ausländer ohne Sprachkenntnisse ist es ratsam sich von solchen inoffiziellen Taxis fernzuhalten, da ein Taxameter fehlt und man leicht über den Tisch gezogen werden kann. Ebenfalls gibt es häufig Männer auf Motorrollern, die Personen häufig sehr preiswert von A nach B befördern. Generell sind aber auch die offiziellen Taxis in China sehr billig und kosten so manches Mal so viel wie ein Busticket in Deutschland. Ach ja, und noch eine Kleinigkeit: Auch wenn die günstigen Preise für Ausländer verlockend sind, sollte man selbst mit einem offiziellen Taxi nur dann fahren, wenn man den Weg beschreiben kann oder zu einer bekannten Sehenswürdigkeit möchte, die Mehrheit der Taxifahrer hat nämlich zumindest in Xi‘an kein Navi und spricht kein Englisch.

Was war deine interessanteste Erfahrung bei einer Taxifahrt im Ausland? Schreibe deine Erlebnisse in die Kommentare.

Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 28 über Glücks- und Unglückszahlen.

Roujiamo – der erste Hamburger der Welt

In den nächsten Wochen stelle ich euch insgesamt drei Gerichte vor, die Spezialitäten von Xi’an sind und jeweils eine ganz besondere Geschichte haben. Freue dich auf die wohl längste Nudel der Welt mit dem gleichzeitig kompliziertesten Schriftzeichen der Welt, die Urform des Hamburgers und auf ein Gericht, bei dessen Zubereitung der Restaurantgast selbst Hand anlegen muss. Zusätzlich empfehle ich gerne noch einmal meine Reportage über den chinesischen Feuertopf.

Begibt man sich auf den Weg in das muslimische Viertel von Xi’an, begegnet man ihm unweigerlich, der Urform des im Westen so beliebten Hamburgers. Zwar gibt es auch in China McDonalds und Co., doch nur hier findet man den eigentlichen, ursprünglichen Hamburger (so wird es zumindest häufig behauptet). Wer jedoch eine Art Big Mac erwartet wird enttäuscht, denn Tomaten, Salat oder Ketchup sucht man auf ihm vergeblich. Der sogenannte Roujiamo ähnelt vielmehr einem Sandwich und besteht aus nichts weiter als einem Stück Brot, das mit Rindfleisch gefüllt wird. Umgerechnet 1,90€ (15 RMB) muss man in Xi’an in der Regel für einen solchen Hamburger bezahlen. Vom Geschmack her ist der Roujiamo, dessen Name sich übrigens fast genauso ausspricht wie des britischen Schauspielers Roger Moore, ein echt leckerer Snack und eine willkommene Abwechslung zu anderem chinesischen Essen.

Glückszahlen (Teil 28)

In China sind Zahlen besonders wichtig, egal ob die Telefonnummer, das Autokennzeichen oder die Apartmentnummer und das Stockwerk. Sie können über Glück und Unglück entscheiden, so zumindest die weitläufige Meinung. Vereinfacht gesagt gilt: Eine 4 ist schlecht, die Zahlen 6, 8 und 9 sind gut. Doch warum? Da im Chinesischen die Betonung eines Wortes die Bedeutung grundlegend verändern kann, kann eine Zahl falsch betont schnell etwas ganz anderes bedeuten. Das chinesische Wort für die Zahl vier heißt „si“, betont man „si“ jedoch nicht mit dem vierten sondern mit dem dritten Ton bedeutet es „sterben“. Kein Wunder also, dass man sich vor der vier in seiner Hausnummer fürchtet. Die acht klingt hingegen ähnlich wie das kantonesische Wort für „reich werden“, hat also eine positive Bedeutung. Neun, auf Chinesisch „jiu“, bedeutet mit einer anderen Betonart in etwa „lang andauernd“, also ebenfalls etwas erstrebenswertes. Aufgrund solcher Doppeldeutigkeiten und dadurch entstehende Missverständnisse wundert es auch nicht, das besonders ‚gute‘ Autokennzeichen versteigert werden und noch zu vergebene Telefonnummern häufig eine ganze Reihe vieren enthalten.

Wusstest du, dass Zahlen in China eine so große Rolle spielen? Schreibe in die Kommentare.
Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 27 über das Phänomen „Chinglish“.

Biangbiang Mian – Nudeln so lang und breit wie ein Gürtel

In den nächsten Wochen stelle ich euch insgesamt drei Gerichte vor, die Spezialitäten von Xi’an sind und jeweils eine ganz besondere Geschichte haben. Freue dich auf die wohl längste Nudel der Welt mit dem gleichzeitig kompliziertesten Schriftzeichen der Welt, die Urform des Hamburgers und auf ein Gericht, bei dessen Zubereitung der Restaurantgast selbst Hand anlegen muss. Zusätzlich empfehle ich gerne noch einmal meine Reportage über den chinesischen Feuertopf.

Ich liebe sie, die Biangbiang Nudeln! Man findet sie an vielen Stellen in China, aber vor allem hier in den Straßen von Xi’an in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Genauer gesagt sind die Nudeln wie Roujiamo und Niuroupaomo eine Spezialität und zugleich eine Kuriosität von Xi’an.

Das Besondere der Biangbiang Nudeln ist, dass sie so lang und breit sind wie ein Gürtel, weshalb sie manchmal auch als Gürtelnudeln bezeichnet werden. Einige Restaurants zerschneiden die Nudel beim Servieren in Stücke, doch in vielen Restaurants ist es die Regel, dass die Nudel als Ganzes serviert wird (eine Nudel ist für eine Person häufig vollkommen ausreichend). In diesem Fall kann es zur Herausforderung werden die Nudel mit Stäbchen essen zu müssen, doch mit etwas Übung funktioniert es erstaunlich gut.

Die zweite Besonderheit der Biangbiang Nudeln sind ihr komplexes Schriftzeichen, welches inoffiziell das komplizierteste der Welt ist. Für Touristen ist dies insofern von Vorteil, als das sie auf der Speisekarte einfach nach dem komplexesten Zeichen Ausschau halten müssen. Tatsächlich ist das Zeichen „Biang“ sogar so kompliziert, dass man es mit dem Computer nicht schreiben kann sondern ein Bild des Zeichens in den Text kopieren muss.

Geschmacklich ist die Nudel selbst eigentlich recht unspektakulär, durch das Zufügen von Schärfe und in Kombination mit Fleisch und etwas Gemüse schmeckt das Gericht aber sehr gut. Da es eines meiner Lieblingsgerichte ist und ich Herausforderungen liebe, habe ich selbstverständlich im Verlaufe meines China-Abenteuers gelernt, wie man „Biang“ schreibt. Klicke auf das Video um zu sehen, wie ich das schwierigste Schriftzeichen der Welt schreibe und versuche es im Anschluss selbst einmal.

Chinglish (Teil 27)

Egal ob auf Speisekarten oder Kleidungsstücken, überall kann man es finden: Chinglish. Chinglish ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „Chinese“ (Chinesisch) und „English“ (Englisch). Der Begriff ist eine Anspielung darauf, dass die meisten Chinesen noch immer kaum bzw. zu großen Teilen gar kein Englisch sprechen und englische Übersetzungen daher häufig wenig sinnvoll oder schlicht falsch und komplett unverständlich sind. Dieses „Phänomen“ lässt viele westliche Chinareisende immer wieder schmunzeln und bei einer Speisekarte so manches mal verzweifeln.

Kennst du weitere Beispiele für Chinglish? Schreibe deine lustigste Entdeckung in die Kommentare!
Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 26 über die Kundenbetreuung in chinesischen Kaufhäusern.

Verkaufsstrategie: Belagerung (Teil 26)

Für mich war es anfangs erst einmal total nervig: Sobald ich ein Geschäft betrat, kam gleich ein Verkäufer und folgte mir auf Schritt und Tritt während ich mich versuchte umzugucken. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und weiß, dass es zu der chinesischen Mentalität gehört, seinen Gast (oder in dem Fall seinen Kunden) zu umsorgen. Im Restaurant ist es ähnlich: Sobald man eintritt, wird gleich gefragt was man bestellen möchte. In Ruhe über die Speisekarte gucken zu können ist schwierig. Von der anderen Seite betrachtet ist es auch irgendwie bemerkenswert, wie sehr man als Kunde wertgeschätzt wird.

Warst du schon einmal in China und kannst diese Erfahrung teilen? Schreibe deine Meinung in die Kommentare.

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Spucken & Rülpsen – Vorurteil oder Realität? (Teil 25)

Auch wenn Chinas Regierung das Land nach außen als modern und fortschrittlich darstellt, gibt es innerhalb der Bevölkerung doch noch einige Gewohnheiten, die dieses Bild für viele Westler unglaubwürdig erscheinen lässt: Hierzu gehört vor allem die Angewohnheit vieler Chinesen auf die Straße zu spucken, die Nase zu putzen gilt nämlich als noch unschöner. Das Vorurteil, das Chinesen beim essen rülpsen, kann ich übrigens nicht bestätigen.

Kennst du weitere Vorurteile über Chinesen und willst wissen, ob sie stimmen? Schreibe in die Kommentare und ich sage dir, ob das Vorurteil meiner Erfahrung nach zutreffend ist.

Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 24 über die Größenunterschiede zwischen Deutschland, den USA und China.