Feuertopf – Eine Geschmacksexplosion mit Zukunft in Europa?

Was ist das, mag man sich als Durchschnitts-Europäer fragen. Feuertopf. Etwas, was indigene Völker zum Schmieden von Werkzeugen verwendet haben, vielleicht ein Teil der griechischen Mythologie oder doch nur irgendeine Marke mit kreativem Namen? In Wirklichkeit ist der Feuertopf ein Gaumenschmaus für nahezu jeden Chinesen.

Es ist mein zweiter Tag in Xi’an, wörtlich übersetzt die Stadt des westlichen Friedens, in der Provinz Shaanxi in Zentralchina. Es regnet in Strömen, die Straßen sind wie leergefegt und das Regenwasser sammelt sich in großen Pfützen quer über den Gehweg verteilt. Die Wolkendecke ist so dicht, dass die Sonne keine Chance hat zu uns durchzudringen. Dennoch begebe ich mich beeindruckt von den vielen historischen Stätten und dem überraschend ruhigem Tuen auf den Weg zu einem Restaurant, welches mir lange in Erinnerung bleiben wird. Vorbei an der Großen Wildganspagode (dem neben der Terrakotta-Armee Hauptwahrzeichen von Xi’an) und unzähligen kleinen Straßenhändlern, hinein in einen unscheinbar anmutenden Gebäudekomplex. Mit dem etwas marode aussehenden Aufzug, in dem noch die Holzlatten auf dem Boden liegen und die Wände mit Plastikfolien abgeklebt sind, geht es in die vierte Etage des Gebäudes. Die Türen öffnen sich: Da ist es endlich, das Feuertopf-Restaurant!

Feuertopf (Chinesisch 火锅, Pinyin Huǒguō) ist eine chinesische bzw. ostasiatische Spezialität. In einem Topf mit kochender Brühe lässt man seine zuvor bestellten Zutaten für mehrere Minuten kochen, bis diese gar sind. Häufig werden vor allem unterschiedliche Arten von Blattgemüse, verschiede Tofu-Arten sowie Pilze und Fleischstücke verwendet. Angeblich kommt der Feuertopf aus Chongqing, einer anderen chinesischen Megacity südlich von Xi’an. Dort soll das Gericht laut Überlieferung bereits im 5. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung zubereitet worden sein. Heutzutage ist es in unterschiedlichen Formen in ganz China und darüber hinaus in Ländern wie Korea und Japan verbreitet. In Shaanxi ist vor allem der Malaguo verbreitet, eine eher scharfe Variante des Feuertopfes, jedoch milder als die, die in Chongqing zu finden ist.

Wir nehmen Patz an einem großen, quadratischen, hölzernen Tisch. Die Bedienung bringt uns die Karte. Es ist aber keine gewöhnliche Speisekarte, sondern vielmehr eine Zutatenliste, auf der wir ankreuzen müssen, welche Beilagen wir möchten und welche Geschmacksrichtung sowie welchen Schärfegrad die Brühe haben soll. Wir bestellen verschiedenste Zutaten, angefangen bei Algen bis hin zu verschiedenen Tofu-Arten, lassen dabei aber Spezialitäten wie Innereien und getrocknetes Entenblut außen vor. Beim Schärfegrad des Feuertopfes entscheiden wir uns für die mittlere Variante, wobei wir zusätzlich eine nicht-scharfe Brühe bestellen. Bevor uns der Feuertopf mit den zwei Brühen gebracht wird, öffnen wir noch schnell die kleine Schublade, die sich unter der Tischplatte verbirgt. In dieser befindet sich eine Schürze, die man sich als Gast umlegt, um seine Kleidung vor den Spritzern des brodelnden Feuertopfes zu schützen. Auch wir legen uns die Schürzen um. Der Feuertopf wird serviert, wir fangen an zu essen und plötzlich ist er da, dieser „Wow-Moment“. Auch wenn der Feuertopf vom Aufbau her unserem Fondue ähnelt, hatte ich diesen Geschmack und diese Art des Essens zuvor noch nie erlebt. Die scharfe Brühe und das anschließende Eintunken in die vorab bereitgestellte Sesamsoße ergeben in Kombination eine wahre Geschmacksexplosion. Ich habe zwar schon viele leckere Dinge und verschiedenste Gerichte auf der ganzen Welt ausprobiert, dies ist aber auch für mich eine ganz neue Erfahrung.

Warum gibt es das nicht in Deutschland? Das frage ich mich auch noch häufig in den anschließenden Tagen. Meine Antwort: Ich weiß es nicht. Vielleicht ist einfach noch keiner auf die Idee gekommen diese Spezialität mit nach Europa zu bringen, vielleicht ist es für den Geschmacksinn der meisten Europäer auch zu exotisch. Ich finde auf jeden Fall, dass der Feuertopf ein faszinierendes Gericht ist, welches zum einen wahnsinnig lecker ist, aber auch eine gesellige Atmosphäre entstehen lässt. Feuertopf, für mich nicht nur ein einfaches Essen, sondern ein echtes Erlebnis, welches sich definitiv lohnt auszuprobieren.

7 Gedanken zu “Feuertopf – Eine Geschmacksexplosion mit Zukunft in Europa?

  1. norbert w.

    Hallo Alex, du weißt wie vorsichtig ich mit fremder Küche bin (Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht). Aber dein Beitrag hat mir das Wasser im Mund laufen lassen. Es ist schön zu lesen wie wohl aufgehoben und angekommen du deinen neuen Lebensraum erkundest und annimmst.
    Grüße von Petra und Norbert 👍👥

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    1. Na das freut mich zu hören 😊. Das Essen ist hier wirklich sehr anders aber meiner Ansicht nach auch super lecker!
      Besten Dank für die Nachricht, einen schönen Sonntag Abend und liebe Grüße zurück 🙂

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  2. Das könnte ich den ganzen Winter hindurch essen (mache ich im Prinzip auch). Entenblut solltest du aber mal probieren, ist eigentlich gar nicht eklig, wenn man sich mal überwunden hat, und relativ geschmacksneutral. Ich mag‘s.
    In Deutschland gibt es in Asiashops übrigens Gewürzmischungen für Feuertopf zu kaufen (teilweise dieselben, die es hier auch im Carrefour gibt), dann kann man ihn zu Hause ganz einfach selbst machen – schmeckt dann auch wie in China.

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    1. Inzwischen habe ich es tatsächlich auch mal probiert, ist ja in den vergangen Tagen kalt genug gewesen 😅. Tatsächlich fand ich es auch gar nicht schlecht, nur die Konsistenz war etwas ungewohnt…

      Das mit den Gewürzmischungen ist ein super Tipp, das werde ich in Deutschland definitiv Mal ausprobieren 😃👍!

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