Seminar „Deutschland – Ein Land mit vielen Facetten“

Kulturunterschiede, Vorurteile, Völkerverständigung. Die Bedeutung und Hintergründe dieser und weiterer Begriffe erarbeiteten die Teilnehmer des von mir am Goethe-Sprachlernzentrum Xi’an veranstalteten Seminars „Deutschland – Ein Land mit vielen Facetten“. An insgesamt drei Seminartagen mit einem Gesamtumfang von zwölf Stunden lernten die Kursteilnehmer nicht nur viel über Deutschland und die deutsche Kultur, sondern auch über das Leben im Ausland und die damit verbundenen Herausforderungen.

Der Hintergrund des Seminars

Kulturen sind unterschiedlich, genauso wie Meinungen und Perspektiven von Individuen. Bevor man ins Ausland geht – vor allem, wenn es für länger als nur ein Kurzurlaub ist – sollte man sich daher mit der Lebensweise und Mentalität des anderen Kulturraums auseinandersetzen: Was ist anders? Inwieweit unterscheiden sich dortige Verhaltensweise von der mir bekannten?

Viele unserer Studenten möchten nach Abschluss ihrer Deutschkurse nach Deutschland gehen und dort arbeiten oder studieren. Um sie bei diesem Vorhaben zu unterstützen, haben wir uns dazu entschieden, ein Seminar anzubieten, das sie außerhalb des eigentlichen Deutschunterrichts genau darauf vorbereitet.

Ein Seminar, das mehr ist als nur Landeskunde

Um wichtige Fragen wie die oben genannten zu beantworten, setzten sich die 25 Kursteilnehmer insbesondere mit Kulturunterschieden zwischen Deutschland und China auseinander. Anhand des Buches „Ost trifft West“ (Yang Liu, Hermann Schmidt Mainz Verlag), welches die wichtigsten Kulturunterschiede beider Länder mithilfe von Piktogrammen grafisch darstellt, konnten diese kulturspezifischen Elemente und Besonderheiten erarbeitet werden. Im Anschluss präsentierte jede Gruppe einen Kulturunterschied in Form eines Rollenspiels, woraufhin die anderen Gruppen diesen erst erkennen und daraufhin erklären mussten.

Bevor es jedoch um Kulturunterschiede und weitere landeskundliche Themen ging, wurde zunächst über Vorurteile und deren Problematik diskutiert. Selbst wenn man sich darüber bewusst ist, dass Vorurteile nichts weiter als vorschnelle Schlüsse sind und häufig nicht zutreffen, ist es schwer, diese abzubauen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Um sich dessen Bewusst zu werden, erstellten die Studenten ihre eigenen Deutschlandkarten mit Elementen, die sie für typisch Deutsch hielten. Beim anschließenden Vergleich der einzelnen Poster stellten sie dann fest, dass Deutschland mehr als nur Autos, Bier und Würstchen zu bieten hat. Deutschland ist halt – genauso wie China – ein Land mit vielen Facetten.

Mit solch kreativen und interaktiven Sessions wurden den Studenten die wichtigsten Themen vermittelt, die es bedarf, um sich in eine neue Kultur zu integrieren und einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt zu erleben. Den Teilnehmern wurde bewusst, wie wichtig hierbei Kommunikation, Offenheit und Toleranz sind. Darüber hinaus wurden Strategien und Techniken erarbeitet, um genau diese Schlüsselelemente umzusetzen und im Gesamtkontext betrachtet eine Botschafterrolle zu erfüllen und zur Völkerverständigung beizutragen.

Das sagen die Kursteilnehmer zum SeminarZitate Blogbeitrag

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Und so sah es vor Ort aus

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Die Kursteilnehmer haben häufig Themen im Team erarbeitet.
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Die Erstellung der eigenen Deutschlandkarte mit anschließender Präsentation war der Einstieg in das Seminar.
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Alle Kursteilnehmer erhielten ein Seminarhandbuch mit Aufgaben und einer Zusammenfassung der wichtigsten Seminarinhalte. Ein Bereich war unter anderem dieses Prominentenquiz.
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Mit dem Buch „Ost trifft West“ erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Kulturunterschiede zwischen Deutschland und China. Auf dieser Abbildung zu sehen: Die Lautstärke im deutschen und im chinesischen Restaurant.
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Auch das deutsche Hochschulsystem war Teil des Seminars.
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Darüber hinaus sammelten wir Herausforderungen, die im Ausland entstehen können, und erarbeiteten im Anschluss konkrete Lösungsansätze.
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Um eine Herausforderung praktisch zu erleben, mussten die Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes Brücken bauen. Das Team mit der Brücke, die am meisten Gewicht hielt, gewann – was auch sonst – ein Paket deutsche Schokolade.
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Da die deutsche Kultur eine vergleichsweise direkte ist und Deutsche viel und gerne diskutieren, haben wir dies auch getan: und zwar über die Vor- und Nachteile von WeChat Pay.
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Selbstverständlich wurde am Ende auch ein Gruppenfoto mit allen Kursteilnehmern gemacht.
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…und eines von mir und meiner Co-Tutorin/Übersetzerin.

Dies ist der Originalartikel, wie er auf dem Blog des Goethe-Sprachlernzentrums Xi’an veröffentlicht wurde. Lese ihn hier in der Originalfassung oder in der chinesischen Übersetzung. Für mehr Beiträge meiner Veranstaltungen besuche den Blog des Goethe-Sprachlernzentrums (dieser ist auch im Menü verlinkt). Weitere Artikel über mein Auslandsjahr findest du unter der gleichnamigen Kategorie, ebenfalls im Menü dieses Blogs.

Wechat und Whatsapp im Vergleich: China gewinnt. Auch bei der Überwachung.

Wechat ist die beliebteste App in China und kann im Vergleich zu Whatsapp weitaus mehr. Doch wer Wechat nutzt, muss sich von der chinesischen Regierung überwachen lassen. Ein Erfahrungsbericht.

Bezahlen, den Live-Standort senden, Flüge buchen: Mit Wechat kein Problem, denn gefühlt kann ich mit der App so ziemlich alles machen. In meinem Alltag in China benutze ich Wechat hauptsächlich, um mit Freunden zu chatten und mein Essen zu bezahlen. In Deutschland würde ich beim Bäcker wohl kaum mein Smartphone zücken, sondern mit Bargeld oder Karte zahlen. In China sind beide Zahlweisen hingegen kaum noch zeitgemäß.

[Klicke hier, um den ganzen Artikel zu lesen]

Du willst wissen wie es weiter geht, was WeChat von WhatsApp unterscheidet und was das ganze mit der chinesischen Regierung zu tun hat? Besuche die Website von Orange by Handelsblatt (oder klicke HIER), um meinen neusten Artikel zu lesen.

Die interessanten Bedeutungen von chinesischen Städtenamen

China (中国), auf Chinesisch Zhongguo und wörtlich übersetzt das Land der Mitte, ist ein unglaublich großes Land, flächenmäßig sogar das viert größte auf der Erde und nach der Einwohnerzahl bekanntlich das größte im weltweiten Vergleich. Da es auch in China eine Landflucht zu beobachten gibt, wachsen die sowieso schon großen Städte immer weiter und neue werden von der Regierung ins Umland gebaut. Es entstehen riesige Städte, sogenannte Mega- und Metastädte, die teilweise sogar mehrere zehn Millionen Einwohner haben. Insgesamt gibt es über ein Dutzend Städte in China, die mehr als 10 Millionen Einwohner haben, darunter Metropolen wie Beijing und Shanghai. Doch warum heißt Beijing eigentlich Beijing und Shanghai Shanghai?

Beijing (北京), im Deutschen auch als Peking bekannt, bedeutet übersetzt nördliche Hauptstadt. Dies erscheint zunächst einmal logisch, schließlich liegt die Stadt im Norden Chinas und ist die heutige Hauptstadt der Volkrepublik. Nanjing (南京), eine Stadt in der Nähe von Shanghai mit knapp 8 Millionen Einwohnern, hat jedoch ebenfalls ein „jing“ im Namen, was auf eine Hauptstadt schließen lässt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Nanjing in der Ming-Dynastie tatsächlich zeitweise die Hauptstadt von China war. Da diese im Süden lag bedeutet Nanjing wörtlich übersetzt südliche Hauptstadt. Nun kommt vielleicht bei dem ein oder anderen die Frage auf, ob es auch eine östliche und eine westliche Hauptstadt gibt bzw. gab. An dieser Stelle muss man etwas genauer hinschauen: Was wir als Tokio (东京) kennen wird in China als Dongjing bezeichnet, also östliche Hauptstadt. Dies ist aus chinesischer Perspektive auch durchaus sinnvoll, schließlich liegt Japan östlich von China und Tokio ist die (abgesehen von Seoul und Pjöngjang) nächstgelegenste östliche Hauptstadt. Darüber hinaus gab es in China auch eine westliche Hauptstadt namens Chang’an (长安). Chang’an war die erste Hauptstadt des Kaiserreichs und bedeutet übersetzt ewiger Friede. Heute heißt Chang’an jedoch nicht mehr Chang’an sondern Xi’an (西安), was westlicher Friede bedeutet.

Doch auch unabhängig von jetzigen oder damaligen Hauptstädten weisen viele Namen chinesischer Groß- und Kleinstädte eine interessante Bedeutung auf: Shanghai (上海) heißt übersetzt auf dem Meer, was daran liegt, dass Shanghai, die wichtigste Industriestadt Chinas, unmittelbar am Meer liegt. Hongkong (香港) heißt auf Chinesisch Xianggang und bedeutet so viel wie duftender Hafen, was auf den in der Vergangenheit stattgefunden intensiven Handel mit duftenden Gewürzen zurückzuführen ist.

Übrigens lassen sich die Übersetzungen bei chinesischen Provinzen und einigen Bezeichnungen für Länder außerhalb Chinas ebenfalls auf die Geschichte oder geografische Lage zurückführen. So gibt es beispielsweise die Provinzen Hebei (河北) und Henan (河南). He bedeutet übersetzt Fluss, bei steht genauso wie bei Beijing für Norden und nan wie bei Nanjing für Süden. Somit bedeutet Hebei nördlich des Flusses und Henan südlich des Flusses. Auch hier ist der geografische Faktor klar erkennbar: Hebei liegt nördlich und Henan südlich des Gelben Flusses, dem zweitlängsten Fluss Chinas. Betrachtet man die Länder außerhalb Chinas, ist es ebenfalls interessant, welche Namen die Chinesen sich für diese ausgedacht haben. Viele sind einfach nur phonetische Übersetzungen, so heißt Kasachstan (哈萨克斯坦) auf Chinesisch beispielsweise Ha sa ke si tan. Bei den USA (美国) waren die Chinesen dafür etwas kreativer, auf Chinesisch heißt USA nämlich Meiguo, was so viel wie das schöne Land bedeutet.


Wer gut aufgepasst hat, müsste nun nicht nur einige neue chinesische Städte kennen, sondern sich auch die chinesische Bezeichnung der Himmelsrichtungen ganz einfach merken können sowie viele chinesische Provinzen damit geografisch besser Einordnen können 😉

PS: Wenn Du diesen Artikel gelesen hast, lässt sich auch eine Frage in dem von mir erstellten China-Quiz ganz einfach beantworten 😀

PPS: Nicht nur in China gibt es interessante Städtenamen. Unter folgendem Link findest Du zehn weitere Beispiele mit weltweiten weltweiten Metropolen samt ihren Bedeutungen. (Externe Website)


Quellen: Das Titelbild ist ein bearbeiteter Screenshot von Google Maps; Einige Kennzahlen entstammen der Wikipedia

Meine FSJ-Einsatzstelle: Das Goethe-Sprachlernzentrum an der Fremdsprachenuniversität Xi‘an

Wie der Titel meiner Website schon verrät, lerne ich während meines Auslandsjahres nicht nur Chinesisch, sondern bin zusätzlich auch der diesjährige Freiwillige am Goethe-Sprachlernzentrum Xi’an. Um zu verstehen, was ich dort genau mache, muss man erst einmal den Unterschied zwischen Goethe-Institut und Goethe Sprachlernzentrum kennen. Hierzu empfiehlt es sich meinen Artikel Goethe-Institut und Goethe-Sprachlernzentrum: Was ist der Unterschied? zu lesen.

Was ist das Goethe-Sprachlernzentrum?

Das Goethe-Sprachlernzentrum an der Fremdsprachenuniversität Xi´an wurde bereits 2007 gegründet und ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Goethe-Institut China und der Xi‘an International Studies University. Dabei stellte das Goethe-Institut Deutschland seine Erfahrung und Unterstützung als fachlicher Berater hinsichtlich der Erteilung von Deutschunterricht, Lehrerfortbildungen, Prüfungsstrukturen und Unterrichtsdidaktik zur Verfügung.

Was sind meine Aufgaben?

Zusammengefasst ist der Unterschied zwischen dem Goethe-Institut und den Goethe-Sprachlernzentren, dass die Sprachlernzentren in China nur eine Sprachabteilung, jedoch keine eigene Kulturabteilung haben. Die Kulturabteilung des Goethe-Instituts hat jedoch die wichtige Aufgabe, die deutsche Kultur auch außerhalb des Unterrichts durch diverse Veranstaltungen zu vermitteln. Genau an dieser Stelle komme ich ins Spiel: Ich bin vereinfacht gesagt derjenige, der die Kulturabteilung des Sprachlernzentrums Xi‘an ein Stück weit „ersetzt“. Meine Hauptaufgabe besteht nämlich darin, kulturelle Veranstaltungen zu planen und durchzuführen, sodass die Studenten über den Tellerrand hinaus blicken können und sich ein Bild von Deutschland machen können. Ich bin also die Person, die Deutschland repräsentiert und Ansprechpartner für Studenten ist, in allen Fragen, die die deutsche Kultur und das Leben in Deutschland betreffen. Über das Organisieren von Veranstaltungen hinaus kümmere ich mich auch ein Stück weit um das Marketing, in dem ich beispielsweise die Website pflege, Goodies gestalte und weiteres Werbematerial entwerfe.

Was für Veranstaltungen organisiere ich?

Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Generell orientiere ich mich häufig an deutschen Feiertagen und wichtigen Ereignissen: So habe ich beispielsweise an Halloween eine Halloween-Party und mit etwas Verspätung im November ein Oktoberfest veranstaltet. Zu Weihnachten wird es eine große Weihnachtsfeier geben und im nächsten Jahr eine ganze Veranstaltungsreihe zur Fußball-WM. Darüber hinaus biete ich des Öfteren auch einen Filmabend, einen Kochkurs oder einen Vortrag über ein deutsches Thema an. So habe ich beispielsweise bereits eine Präsentation über das deutsche Hochschulsystem sowie über mein Leben in Deutschland gehalten. Jede Woche biete ich zusätzlich eine Art Nachhilfeunterricht an und organisiere alle zwei Wochen eine Deutsche Ecke in einem nahegelegenen Café, um den Austausch zwischen Deutschen und Chinesen zu fördern. Für das nächste Jahr plane ich zudem ein viertägiges Seminar, welches Chinesen, die in Deutschland studieren wollen, auf das Leben in Deutschland vorbereiten soll. Darüber hinaus ist auch eine große Feierlichkeit anlässlich unseres 10-jährigen Jubiläums im Frühjahr nächsten Jahres geplant.

Wie organisiere ich eine Veranstaltung?

Bevor eine Veranstaltung überhaupt stattfinden kann, bedarf es einer intensiven Planung und Vorbereitung: Was für eine Veranstaltung möchte ich anbieten? Was sollen die Studenten aus dieser mitnehmen? Wie kann ich meine Message am besten vermitteln? Nachdem ich all diese Fragen geklärt habe und mich für ein Event entschieden habe beginne ich eine entsprechende Werbeanzeige zu gestalten. Dieser Prozess kann durchaus einige Tage in Anspruch nehmen, zumal die Inhalte im Anschluss auch noch ins Chinesische übersetzt werden müssen. Sobald die Werbung fertig ist verbreite ich diese auf so vielen Kommunikationskanälen wie möglich: Angefangen bei Werbeplakaten über das einpflegen in den Veranstaltungskalender unserer Website bis hin zu der Promotion auf unserem WeChat-Account. Sobald dies erledigt ist folgt der nächste Schritt: Nun muss ich die Inhalte des Events erarbeiten und die Veranstaltung vorbereiten. Dies ist einfacher gesagt als getan, schließlich muss man bedenken, dass ich mich in einem völlig anderen Kulturkreis bewege. Wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann endlich die eigentliche Veranstaltung beginnen. Je nach Veranstaltungsart muss ich entweder die Moderation übernehmen, mich im Hintergrund um einen reibungslosen Ablauf bemühen oder Bildmaterial erstellen, welches ich dann für die Öffentlichkeitsarbeit verwenden kann. Nach Abschluss der Veranstaltung erstelle ich nämlich noch einen möglichst ansprechenden Blogbeitrag, der dann auf unserer Website gepostet wird. Je nach Veranstaltung bedarf es für alle drei Schritte (Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung) vier Tage bis maximal vier Wochen.

Was gilt es zu beachten?

Da meine Veranstaltungen nicht in Deutschland stattfinden und sich nicht an deutsche Studenten richten, ist es wichtig, dass ich mich mit der chinesischen Kultur und Mentalität auseinandersetze. Da ich auch in Deutschland schon viele Veranstaltungen organisiert habe, lassen sich für mich durchaus einige Unterschiede feststellen:

1) Chinesen planen generell nicht so weit voraus wie es die meisten Deutschen tun. Aufgrund dessen kündige ich die Veranstaltungen nicht besonders weit im Voraus an und schicke am Tag selber noch einen Reminder raus. Die Spontanität der meisten Chinesen macht die Planung auch insgesamt deutlich schwieriger: Ich kann nicht mit Teilnehmerlisten arbeiten und weiß häufig erst sehr kurzfristig, mit wie vielen Teilnehmern ich rechnen kann. Gerade bei Kochkursen oder Veranstaltungen außerhalb des Sprachlernzentrums kann dies zu der ein oder anderen planerischen Herausforderung führen.

2) Viele Chinesen haben (noch ausgeprägter als so manche deutschen Schüler/Studenten) die Angewohnheit Informationen nicht genau zu lesen. Daher muss ich Werbeanzeigen so kurz wie möglich halten und alle wichtigen Infos zusätzlich noch einmal in den Kursen kundgeben.

3) Weiterhin sind auf den Veranstaltungen Studenten vom Sprachniveau A1 (Beginner) bis B2 (Fortgeschrittene) vertreten. Da jeder Teilnehmer alles verstehen sollte ist eine Übersetzung zumeist unentbehrlich.

4) Ein weiterer wichtiger und nicht zu vernachlässigender Aspekt ist, dass viele Busverbindungen in China ihren Dienst gegen 21:00 Uhr einstellen. Vor allem bei späten Veranstaltungen wie Filmabenden muss ich dies mit ins Kalkül einziehen. Entweder ich beginne die Veranstaltung früher oder plane diese für einen entsprechend kürzeren Zeitraum.

Warum mache ich das Ganze überhaupt?

Wer mich kennt, weiß, dass ich wahnsinnig gerne Sachen organisiere und die Verantwortung für Veranstaltungen übernehme. In Deutschland habe ich zum Beispiel große Teile meiner Abifeier geplant oder auch eine ganze Kursfahrt gebucht. Auch teame ich Seminare meiner ehemaligen Schüleraustauschorganisation und koordiniere für diese zusätzlich die Kennenlerntage. Hier in China möchte ich nun lernen, wie es ist, in einem völlig anderen Kulturkreis Veranstaltungen zu planen. Zusätzlich bin ich auch stets an einem kulturellen Austausch interessiert und möchte eine Botschafterrolle übernehmen. Deutschland zu repräsentieren und vielleicht sogar den ein oder anderen für ein Studium in Deutschland zu begeistern sind hierbei weitere wichtige Elemente.

Was lerne ich daraus?

Durch all dies nehme ich selbstverständlich eine Menge mit. Ein ganz elementarer Bestandteil ist, dass ich sehr viel über die chinesische Kultur und Mentalität lerne. Des Weiteren lerne ich es kennen, in einem international geprägten Arbeitsumfeld mit einem völlig anderen kulturellen Hintergrund zu arbeiten. Auch ganz praktische Dinge wie das designen von Werbeanzeigen und das promoten von Veranstaltungen sind hier aufzuführen. Nicht zuletzt lerne ich auch viel über meine eigene Kultur, da ich mich intensiv mit Deutschland und deutschen Themen auseinandersetze. Durch all dies werde ich unter anderem selbstständiger und sicherer im Umgang mit fremden Kulturen.

Du willst noch mehr über meine Veranstaltungen lesen?

Wenn ich Dich nun neugierig gemacht habe, wie meine Veranstaltungen im Detail aussehen, dann kannst Du alle meine Veranstaltungen auf dem Blog vom Goethe-Sprachlernzentrum Xi’an verfolgen.

Was bedeutet eigentlich „Eine Kombination aus Studium und FSJ“?

Es ist noch gar nicht so lange her, da begann ich mir in Deutschland Gedanken zu machen, was ich nach meinem Abitur machen möchte. Eigentlich gab es für mich nur zwei Optionen: Entweder ich würde direkt mit einem Studium beginnen oder noch einmal ein Jahr im Ausland verbringen (bereits 2014/15 war ich für ein Auslandsjahr in den USA). Ich begab mich auf eine lange Suche und fand letztendlich genau das richtige für mich, eine Kombination aus beidem.

Immer mehr Abiturienten entscheiden sich heutzutage dafür nicht direkt mit einem Studium zu beginnen, sondern ein sogenanntes Gap Year einzulegen. Ein Gap Year ist in diesem Kontext eine Art Überbrückungsjahr zwischen dem Schulabschluss und dem Start eines Studiums, welches Schüler aus ganz unterschiedlichen Intentionen heraus anstreben. Manche wollen erst einmal ein Jahr lang arbeiten, um etwas Geld anzusparen, andere wollen die Welt sehen und Reisen in ferne Länder oder verbinden das ganze unter dem Namen Work & Travel direkt mit dem Sammeln von Arbeitserfahrung. Neben unzähligen weiteren Möglichkeiten sind Sprachreisen, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und ein Freiwilligendienst (FSJ, kurz für Freiwilliges Soziales Jahr) weitere populäre Varianten eines Gap Years. Es ist ein Jahr, in dem man herausfinden kann was einem liegt, aber zugleich auch ein Jahr, in dem man seinen Horizont erweitern und seine Perspektive vergrößern kann.

Schnell war für mich klar, dass ich mich während meines Gap Years vor allem akademisch weiterbilden und eine mir völlig fremde Kultur kennenlernen möchte. Perfekt wäre es, so dachte ich mir damals, wenn ich gleichzeitig die wohl größte Schwachstelle meines Lebenslaufs ausbessern könnte: mein Fremdsprachenportfolio (momentan spreche ich nur Deutsch und Englisch fließend). Schon seit der Grundschule interessierte ich mich die Chinesische Sprache, weshalb ich in der fünften und sechsten Klasse auch an der Chinesisch AG meiner Schule teilnahm. Wie das Interesse an dem Land und der Sprache genau entstand weiß ich gar nicht, vielleicht faszinierten mich einfach die Schriftzeichen und die völlig andere Lebensweise. Inzwischen sehe ich China jedoch vor allem als einen großen wirtschaftlichen Markt und Chinesisch als eine Sprache, deren Bedeutung immer mehr zunimmt.

Und so kam es, dass ich mich als Destination für China entschied. Jetzt ging es nur noch darum herauszufinden, was ich während des Jahres genau machen will. Neben dem akademischen Aspekt war mir wichtig finanziell unabhängig von meinen Eltern zu sein und die Sprache nicht nur nebenher zu erlernen. Nach einer intensiven Recherchearbeit und unzähligen Bewerbungen bei verschiedenen Anbietern, die zwar zumeist erfolgreich waren aber nicht genau meinen Vorstellungen entsprachen, bin ich dann schlussendlich auf eine Ausschreibung der Kölner Freiwilligen Agentur gestoßen: Eine FSJ-Einsatzstelle bei einem Goethe-Sprachlernzentrum und das ganze verbunden mit einem Sprachkurs an einer renommierten Fremdsprachenuniversität. Dies war wie für mich geschaffen!

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf und heute bin ich hier in Xi’an, lerne vier Stunden am Tag an der Xi’an International Studies University Chinesisch und arbeite nachmittags im Kulturbereich für das hiesige Goethe-Sprachlernzentrum. Eine Kombination aus Studium und FSJ, wie sie für mich nicht besser sein könnte!


Was ich genau beim Goethe-Sprachlernzentrum mache und warum dies die perfekte FSJ-Einsatzstelle für mich ist, erfährst Du in einem meiner nächsten Blogbeiträge. Du fragst Dich, was der Unterschied zwischen dem Goethe-Institut und einem Goethe-Sprachlernzentrum ist? Auch diese Frage werde ich in einem weiteren Blogbeitrag beantworten.

Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte

Die Straßen Beijings sind noch leer und der Lärm der Stadt als solcher kaum wahrnehmbar, als uns noch vor Einbruch der Morgendämmerung unser chinesischer Bekannter abholt. Tatsächlich ist er zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Bekannter, sondern vielmehr eine Person, mit der wir am Vortag einige Male per WeChat hin und her geschrieben haben. Mit dem Allrad-betriebenen Auto seines Vaters geht es nun los, los in Richtung Abenteuer Chinesische Mauer!

Die Chinesische Mauer, die häufig auch als Große Mauer bezeichnet wird, ist eines der wohl bekanntesten und zugleich beeindruckendsten Bauwerke der Erde. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 21.000 km ist sie zudem sowohl hinsichtlich des Volumens als auch der Masse das größte Bauwerk der Welt. Bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. begann man im kaiserlichen China mit dem Bau der Mauer, mit dem Ziel vor Augen, das chinesische Kaiserreich vor nomadischen Völkern zu schützen. Trotz ihrer gigantischen Ausmaße verfehlte die Mauer meistens ihr Ziel und stellte kein großes Hindernis für Angreifer dar. So überrannte die mongolische Armee die Mauer genauso wie die Mandschu. Im Verlaufe der Zeit und mit Anbruch des 19. Jdt. wurde die Mauer nutzlos, denn die Feinde kamen immer häufiger übers Meer. Deshalb geriet sie irgendwann in Vergessenheit und diente fortlaufend höchstens als Steinbruch. Obwohl die UNSECO die Mauer bereits 1987 zum Welterbe erklärte, ist sie erst seit dem Jahr 2006 offiziell geschützt. Im Jahr 2007 wurde sie dann im Rahmen einer Privatinitiative von 70 Millionen Menschen zu einem der „sieben neuen Weltwunder“ gekürt.*

Den Titel eines der sieben neuen Weltwunder zu sein hat sich die Mauer unserer Meinung nach redlich verdient. Nach einer etwa eineinhalb stündigen Autofahrt erreichen wir zwar immer noch nicht die Mauer, dafür aber den Punkt, an dem der Aufstieg beginnen soll. Im Vorfeld haben wir uns für das Mauerstück bei Jiankou entschieden, welches wir nun von der Südseite aus erklimmen wollen. Das Erklimmen der Mauer ist jedoch einfacher gesagt als getan. Der Aufstieg zu diesem Mauerstück ist nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich und sogar verboten. Da sowohl Zhengxing, unser chinesischer „Bekannter“, als auch mein Reiseführer jedoch dieses Stück empfehlen, lassen wir uns nicht Abhalten und beginnen mit dem Aufstieg.

Ich spüre förmlich die Energie und Motivation, die die frische Landluft und das zu erwartende Ziel in mir entfachen. Mit reichlich Proviant ausgestattet und voller Tatendrang begeben wir uns auf den Wanderweg, der schon nach kurzer Zeit immer schwerer auszumachen ist und noch nicht einmal mehr einem Trampelpfad gleicht. Schritt für Schritt und mit eisernem Willen gehen, nein vielmehr klettern wir in Richtung Mauer. Anstelle, dass wir nun aber die Mauer erblicken, stehen wir plötzlich inmitten eines Ackers. Dies veranlasst mich dann doch dazu meine zuvor abgespeicherte Karte einzusehen und zum Unmut aller festzustellen, dass wir während den vergangenen 30 Minuten einen völlig falschen Weg eingeschlagen haben. Inzwischen wieder auf dem richtigen Pfad angekommen, läuft Zhengxing, den ich mittlerweile als chinesischen Bekannten einstufen würde, schon der Schweiß die Stirn hinab. Doch mit jedem weiteren Höhenmeter ging es mir ähnlich, zumal die Passagen immer steiler, rutschiger und somit auch gefährlicher wurden.

Bereits zwei Tage zuvor hatten wir ein anderes Mauerstück besucht: Mutianyu. Dieses ist neben Badaling eines der bekanntesten Abschnitte der Chinesischen Mauer und unweit Beijing entfernt. Entgegen Jiankou ist Mutianyu jedoch ein Mauerstück, welches restauriert und touristisch gut erschlossen ist. Wahlweise können Touristen den Sessellift oder die Seilbahn nutzen, um zur Mauer zu gelangen. Im Anschluss geht es dann für die meisten Besucher mit einer Rodelbahn wieder zurück ins Tal, wo sie schon von den Reisebussen und Souvenir-Verkäufern erwartet werden. Aufgrund der gewaltigen Dimensionen der Mauer gibt es jedoch unzählige weitere, deutlich weniger populäre Orte, an denen sich die Mauer erklimmen lässt. Einige davon sind restauriert, die meisten jedoch sogenannte „wilde“ Abschnitte, die nur vereinzelt von abenteuerlustigen Touristen aufgesucht werden.

Doch erst das wilde Mauerstücke von Jiankou ist es, was bei uns diesen „Wow-Moment“ auslöst, als wir nach drei zähen Stunden endlich oben ankommen. Der Blick ist einfach unbeschreiblich und entschädigt für alle Mühen des Aufstiegs. Gemeinsam mit Zhengxing, den ich nun beinahe als Freund einstufen würde, lassen wir den Blick bis zum Horizont schweifen, an dem noch immer kein Ende der Mauer in Sicht ist. Und würde man bis zu diesem Punkt laufen und erneut den Horizont betrachten, so sähe man wohl immer noch die Mauer.

Den Moment, an dem ich zum ersten Mal die Mauer erblickte, werde ich wohl nie vergessen. Ohne meine Offline-Karten-App, die sich für jeden Touristen empfiehlt, der die Mauer in einem wilden Stück besteigen will, wäre der Aufstieg für uns wohl unmöglich gewesen, da es unzählige Abzweigungen und keinerlei Beschilderung gab. Oben angekommen, total erschöpft aber doch froh, dass wir durchgehalten haben, können wir dann endlich anfangen zu genießen: Wir haben es geschafft, wir sind auf einem der atemberaubendsten und beeindruckendsten Bauwerke der Welt!

Es ist genau dieses Mauerstück, das uns ein Gefühl für die bewegte Geschichte, für die Anstrengungen der Erbauer und für die gewaltigen Dimensionen der Mauer gibt. Unzählige Stunden lässt es sich auf ihr entlangwandern, entlangklettern oder auch einfach in Ruhe entlangschauen. Die Chinesische Mauer ist für mich ein Ort voller Magie, aber vor allem ein Ort, den jeder einmal gesehen haben sollte.

*Die genauen Kennzahlen der Chinesischen Mauer wurden von mir am 19.11.2017 auf der Wikipedia-Seite abgerufen.

Meine Reise nach: Beijing (北京)

Endlich ist es vollbracht. Mit reichlich Verspätung erscheint nun mein Blogbeitrag zu Beijing! Vergangenen Monat habe ich eine achttägige Reise in die chinesische Hauptstadt unternommen. Ihr wollt auch nach Beijing reisen oder seid neugierig, was ich erlebt habe? Dann lest hier mehr über meine tollsten Erlebnisse und spannendsten Eindrücke. Neben vielen Hintergrundinformationen und chinesischen Übersetzungen zu den Hauptsehenswürdigkeiten findet Ihr ebenfalls eine Vielzahl an Bildern, die meine Beschreibungen hoffentlich noch anschaulicher machen.


Tag 1: Ankunft mit 300 km/h

Mit dem „Bullet Train“ ging es Samstagmorgens von Xi’an nach Beijing. Für die knapp 1000 km lange Strecke (von Flensburg bis nach München sind es gerade einmal 750 km) brauchte der Zug bei einer Geschwindigkeit von 300 km/h gerade einmal 4,5 Stunden. Nachdem wir – eine Freundin aus Nanjing und ich – in unser Hostel eigecheckt hatten, machten wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. Dabei kamen wir am Beihai Park (北海公园; Beihai Gongyuan) vorbei, der durch seine Tempelanlagen und den großen, mittig gelegenen See, eine tolle Atmosphäre ausstrahlte. Im Park erklommen wir einen Hügel und stiegen hinauf zu der weißen Pagode, von der aus wir einen wunderbaren Überblick über die Parkanlage und Teile Beijings hatten. Inzwischen war es dunkel, doch eine Fülle von Lichtern ließ den Himmel hell erleuchten, was wirklich ein unvergessliches Erlebnis gleich am ersten Abend war.

Tag 2: Nationalfeiertag auf dem größten Platz der Welt

Unser erster voller Tag in Beijing, der heutigen Hauptstadt der Volkrepublik China, war ein ganz besonderer: Es war der 1. Oktober, Chinas Nationalfeiertag, an dem 68 Jahre zuvor von Mao Zedong die Volkrepublik ausgerufen wurde. Wie jeden Tag fand auch an diesem Sonntagmorgen die Fahnenzeremonie auf dem Tiananmen-Platz (天安门广场; Tiananmen Guangchang) statt, bei der Soldaten der Volksbefreiungsarmee vor dem Tor des Himmlischen Friedens (天安门; Tiananmen) die chinesische Flagge hissten. Schon an normalen Tagen muss man früh sein, um die Zeremonie, die bei Sonnenaufgang startet, aus einem guten Blickwinkel verfolgen zu können. Wir mussten uns an diesem Morgen jedoch noch früher auf den Weg machen (bereits um 4:15 Uhr), da man davon ausgehen konnte, dass der Platz sich aufgrund des Nationalfeiertages deutlich schneller füllen würde als an gewöhnlichen Tagen. Die Zeremonie selbst war unserer Ansicht nach gar nicht besonders spektakulär, dafür aber die Menschenmassen, die sich versammelten, um diese zu beobachten. Wir quetschten uns vorbei an unzähligen Chinesen, um einen einigermaßen guten Blick zu erlangen. Zwar konnten wir selbst kaum sehen, wie die Fahne gehisst wurde, dafür das Ganze aber auf den zahlreichen Smartphones verfolgen, die um uns herum in die Luft gehalten wurden. Zum Ende der Zeremonie hin wurden dann aufgrund des Feiertages auch noch Vögel fliegen gelassen, was eine große Begeisterungswelle mit sich zog. Nachdem die Fahne gehisst und Zeremonie vorüber war (sie dauerte nicht einmal zehn Minuten), schlenderten wir für eine ganze Weile über den Tiananmen-Platz, der im Übrigen der größte öffentliche Platz der Welt ist. Dabei gingen wir am Mao-Mausoleum (毛主席纪念堂; Mao Zhuxi Jiniantang) vorbei, welches sich in der Mitte des Platzes befindet und den aufgebahrten Leichnam des einstigen chinesischen Staatspräsidenten beherbergt. Östlich des Platzes liegt das Chinesische Nationalmuseum (中国国际博物馆; Zhongguo Guoji Bowuguan), welches das größte Museum der Welt ist, westlich die Große Halle des Volkes, welche das Parlamentsgebäude der Volkrepublik ist. Nachdem wir in einer Seitenstraße ein paar Baozi gefrühstückt hatten, führte uns unser Weg in die Verbotene Stadt (紫禁城; Zijin Cheng), der abgesehen von der Chinesischen Mauer wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Beijings und einer der bekanntesten Chinas. Die Verbotene Stadt ist ein Ensemble historischer Bauten und die größte Palastanlage der Welt. Hier lebten viele der einstigen Kaiser über mehrere Dynastien hinweg. Ein Highlight der Anlage war die Uhrenaustellung (钟表馆; Zhongbiao Guan), die aus einer Ansammlung von spektakulären und eigens für den Kaiser angefertigten Uhren besteht. So gab es einige, die mehrere Meter groß waren und andere, die in prunkvolle Skulpturen eingearbeitet wurden. Nicht so spektakulär wie erwartet aber dennoch nett anzusehen war die Uhrenvorführung, bei der einige der kleineren Exemplare wie eine Art chinesische „Kuckucksuhr“ ihr Kunststück vorführten. Nachdem wir uns nun für einige Stunden in den alten Gemäuern aufgehalten hatten und es sich immer weiter füllte, entschieden wir uns die Verbotene Stadt zu verlassen und weiter in die Hutongs (胡同; Hu Tong) zu gehen. Wir streiften ein wenig umher, beschlossen dann jedoch uns in ein Café zu setzten und am nächsten Morgen noch einmal zurückzukehren. Nachdem wir dann endlich mit Hilfe einiger Chinesen ein Café ausfindig gemacht hatten und dort einen westlichen Kaffee genossen (meistens findet man in Chinas nach meinem jetzigen Kenntnisstand nur Instant-Kaffee), fuhren wir mit der U-Bahn zu einem der größten Märkte Beijings, dem Panjiayuan-Markt (潘家园古玩市场; Panjiayuan Guwan Shichang). Vor allem am Wochenende reihen sich hier Stand an Stand, Antiquitäten an möchtegern Antiquitäten und alles, was man sich sonst noch vorstellen kann. Angefangen bei Kalligrafien bis hin zu Teppichen und Büchern ist auf diesem Markt alles vertreten. Wir waren begeistert von der großen Vielfalt und verbrachten einige Stunden damit uns die Stände anzugucken und mit dem einen oder anderen Händler in unserem gebrochenen Chinesisch zu verhandeln, um einige tolle Souvenirs zu ergattern. Zwar waren wir nun schon seit mehr als zwölf Stunden auf den Beinen, dennoch war unser Tag noch lange nicht vorbei. Für unser Abendessen fuhren wir zurück ins Zentrum, genauer gesagt zu der bei Touristen sehr beliebten Wangfujing Street. Hier findet man wirklich alles, was auch nur irgendwie essbar ist und von den Touristen als typisches chinesisches Essen angesehen werden kann. Bevor wir uns jedoch diesen „Spezialitäten“ widmeten, aßen wir erst einmal eine Peking Ente (烤鸭; Kao Ya), dem wohl bekanntesten Gericht der Stadt und einem Must-Eat für jeden Beijing-Touristen. Wenn man jedoch keine Ahnung hat wie man diese isst sollte man sich dies vorher einmal erklären lassen, denn sonst isst man wohlmöglich die Pfannkuchen und Gurkenscheiben als Beilage. Trotz des Faktes, dass ich halbwegs wusste, wie ich die Peking Ente zu essen hatte, war ich vom Geschmack doch etwas enttäuscht. Die Realität kann meiner Ansicht nach nicht wirklich mit dem Ruf bzw. Bekanntheitsgrad mithalten. Nach dem Abendessen stürzten wir uns erneut in das Getrubel der recht engen Wangfujing Straße. Die Krönung des Tages war dann, dass wir einen Spieß mit frittierten Skorpionen kauften. Getreu dem Gedanken „Wenn Du nicht probierst, kannst Du auch nicht darüber urteilen“ haben wir tatsächlich probiert und sogar alle vier Skorpione aufgegessen, denn diese schmeckten tatsächlich gar nicht so schlecht. Geschmacklich und von der Konsistenz her ähnelten diese unseren Chips und waren somit einmal ein ganz abwechslungsreicher Snack.

Tag 3: Eine Louis Vuitton Tasche für 400 Yuan

Wie gestern beschlossen starteten wir unseren heutigen Tag mit einem Frühstück in den Hutongs (胡同; Hu Tong), die wir uns gestern nur sporadisch angeguckt hatten. Als Hutongs bezeichnet man die kleinen, altertümlichen und leicht heruntergekommenen Gassen in Beijing. Leider werden die teilweise sogar unter Denkmalschutz stehenden Hutongs immer öfters abgerissen, weshalb es immer schwerer wird, dass „ursprüngliche“ Beijing zu entdecken. Von drei Gebieten, in denen wir während der Reise die Hutongs besuchten, gefielen uns die heutigen im Stadtteil Houhai am besten. Rund um den Rundeli-Naschmarkt (润得立菜市场; Rundeli Caishichang) gab es hier viele kleine Gassen, uns verwundert anschauende Bewohner und allerlei kleine Stände mit köstlichem Essen. Wir probierten die verschiedensten Dinge, ohne überhaupt eine Idee davon zu haben, was wir da gerade eigentlich aßen. Wir verirrten uns immer tiefer in die Gassen bis wir dann schließlich bei den Geschäften östlich der Houhai-Seen (后海湖; Houhai Hu) herauskamen. Hier gab es viele Bars, Souvenirläden und überteuerte Restaurants. Von dort aus arbeiteten wir uns immer weiter östlich vor, vorbei an dem imposanten Trommelturm (鼓楼; Gulou) und Glockenturm (钟楼; Zhonglou) bis zum Lamakloster, das noch einmal weitere 2 km entfernt lag. Das Lamakloster (雍和宫; Yonghe Gong) ist der berühmteste buddhistisch-tibetische Tempel außerhalb Tibets und diente bis zum Jahre 1744 als Kaiserresidenz. Besonders imposant und unbedingt einen Besuch wert ist die 18 m hohe Buddha-Statue im Wanfu-Pavillon innerhalb des Klosters, die aus einem einzigen Baum geschnitzt ist. Das volle Kontrastprogramm bot dann unser nächster Stopp, die Silk Street. Ich weiß nicht genau was ich mir vorgestellt hatte, auf jeden Fall nicht das, was uns hier erwartete! Wir stiegen aus der U-Bahn aus und standen schon mitten drin, in einem riesigen, durchaus schick und modern eingerichteten Kaufhaus, das ausschließlich Markenplagiate anbietet. Von Gucci über Prada bis hin zu Louis Vuitton und vielen anderen High-End-Marken wurde alles so präsentiert, als würden die Artikel echt sein. Ich war völlig überfordert mit der Fülle an Fälschungen, zumal ich in China bis dato deutlich weniger davon gesehen hatte, als ich zurück in Deutschland angenommen hatte. Aus reiner Neugierde fragte ich bei einigen Artikeln nach dem Preis und verhandelte sogar, selbstverständlich mit dem Wissen, dass ich mir niemals ein Plagiat kaufen würde. So wurde mir beispielsweise eine Louis Vuitton Tasche (Neupreis in Deutschland knapp 1500€) im ersten Geschäft für 2500 Yuan, also umgerechnet 300€, angeboten. Bis ich das Geschäft verlies ging die Verkäuferin bis auf 1000 Yuan (ca. 125€) herunter. Im nächsten Geschäft handelte ich die wirklich für eine Fälschung qualitativ hochwertig verarbeitete Tasche, die der Originalen zum Verwechseln ähnlich sieht, auf 400 Yuan (ca. 50€) herab. Reichlich überrascht von der Direktheit, mit der gefälschte Produkte hier präsentiert wurden (Fotos machen war übrigens verboten), verließen wir das Gebäude und gingen zur fußläufig zehn Minuten entfernten Place Shopping Mall, in der es nun endlich wieder die echten Marken gab. Hier wollten wir jedoch nicht shoppen, sondern uns die große elektronische Leinwand anschauen, die zwischen dem zweigeteilten Gebäudekomplex über der Straße befestigt ist. Ähnlich wie die, die ich vor einigen Jahren bereits in Las Vegas bewundert habe, liefen hier verschiedenste Spots, die bei der einsetzenden Dämmerung durchaus sehenswert waren. Am Abend trafen wir dann noch zwei Schweizer Bekannte, mit denen wir rund um die Gulou Dongdajie noch einige Bars besuchten.

Tag 4: 798 Art District

Heute führte uns unser Weg in den 798 Art District (七九八艺术新区; Qi Jiu Ba Yishu Xin Qu), einem immer beliebter werdenden Szene- und Künstlerviertel von Beijing. Etwas außerhalb gelegen erreichten wir das Gelände jedoch gut per Bus, auch wenn dieser über den Großteil der Strecke etwas überfüllt erschien. Der Art District selbst, der auf einem ehemaligen Fabrikgelände angelegt ist, beherbergt unzählige kleiner und großer Galerien und ist hierdurch wohl der beste Ort innerhalb Beijings, um zeitgenössische Kunst zu bewundern. Einige Galerien kosten etwas Eintritt, die meisten sind jedoch kostenlos. Wir verbrachten den gesamten Tag damit, das Gelände zu erkunden, da es so viele interessante Dinge zu entdecken gab und einen tollen Gegensatz zu dem traditionellen Beijing der vergangenen Tage darstellte. Am Nachmittag nahmen wir an einer Kaffeeverkostung teil, die ein ganz besonderes Erlebnis war. Noch nie zuvor hatte ich so viele verschiedene Kaffeesorten probiert, die alle aus anderen Ländern der Welt stammten. Insgesamt 10 standen zur Verkostung bereit, welche alle samt hervorragend schmeckten. Erst durch das Probieren so vieler verschiedener Aromen innerhalb kürzester Zeit habe ich für mich selbst herausgefunden, wie vielseitig Kaffee eigentlich sein kann und verstanden, warum man an einer Hamburger Hochschule sogar Kaffeemanagement studieren kann. In einer großen Ausstellungshalle gab es zudem eine temporäre Ausstellung über chinesische Erfindungen, welche bislang allerdings nur auf dem Papier oder höchstens als Prototypen existieren. Die vielfältigen Ideen reichten von einer neuen Toilettenform bis hin zu Rollatoren und Rehabilitationsrobotern.

Tag 5: Chinesische Mauer (Mutianyu)

Wenn man durch China reist, dann ist die Chinesische Mauer (万里长城; Wanli Changcheng) ein absolutes Must-See. Daher machten wir heute einen Ausflug zur Großen Mauer von Mutianyu (慕田峪长城; Mutianyu Cahngcheng). Zusammen mit zwei spanischen Freunden machten wir uns schon früh morgens auf den Weg, um die Mauer noch vor den Touristenmassen zu erreichen, was uns jedoch misslang. Anstelle dessen kam uns das ganze eher vor wie eine „Butterbrots-Tour“, auf der jeder unser Geld haben wollte. Schon bevor wir überhaupt in den Bus einstiegen sprach uns an der Haltestelle eine als Busfahrerin verkleidete Frau an und wollte uns in einen überteuerten Privatbus locken. Hätte ich nicht zuvor im Reiseführer über diese Masche gelesen, wären wir wahrscheinlich tatsächlich auf diese Überrumpelungstaktik hereingefallen. Während wir dann im richtigen Bus saßen und der Mauer immer näherkamen, versuchten uns immer mehr Chinesen aus dem Bus zu locken, indem sie uns glauben ließen, dass dies die Station zum Aussteigen sei, um uns im Anschluss mit ihren Privatfahrzeugen zur Mauer zu fahren. Doch auch davor wurden wir im Vorfeld gewarnt und vielen somit nicht darauf rein. Dies war der erste Tag in China, in dem ich das Gefühl bekam, über den Tisch gezogen zu werden. Leider war es auch der erste Tag, an dem ich unfreundliche und dreiste Chinesen kennenlernte. Egal, die Mauer machte dann alles wieder wett. Mit dem Sessellift ging es hoch zur Mauer, mit der Rodelbahn wieder runter. Wir liefen mehrere Stunden auf der Mauer entlang. Je weiter wir uns von Sessellift und Seilbahn entfernten desto weniger Touristen begegneten uns. Dennoch war dies nicht das Erlebnis, was ich mir erhofft hatte und ein „Wow-Moment“ blieb aus. Keine Frage, es war spektakulär und ein vor allem für Familien toller Mauer-Abschnitt, dennoch war ich ein wenig enttäuscht. Daher entschieden wir uns am übernächsten Tag noch einmal zu einem unrestaurierten Abschnitt der Mauer zurückzukehren, der uns den Atem raubte und spektakulärer nicht hätte sein können. Zurück in Beijing stand dann noch der Besuch der Geisterstraße (簋街; Gui Jie) auf dem Programm, die vor allem für ihren Feuertopf und ihre würzigen Meeresfrüchte bekannt ist. Deshalb scheuten wir keine Kosten und genossen ein leckeres Abendessen in einem der vielen Restaurants.

Mehr Hintergrundinformationen zur Chinesischen Mauer gibt es in meiner in den kommenden Tagen erscheinenden Reportage „Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte“.

Tag 6: Die etwas andere Weltkarte

Nach den Anstrengungen der letzten Tage gingen wir den heutigen Tag etwas ruhiger an. Der heutige Hauptprogrammpunkt war der Himmelstempelpark (天坛公园; Tiantan Gongyuan), doch zuvor schlenderten wir noch etwas durch die Hutongs (胡同; Hu Tong) im Bezirk Dashilar. Halt machten wir unter anderem in einem kleinen Teehaus. Zwar war dieses durchaus etwas touristisch, was man nicht zuletzt an der englischsprachigen Verkäuferin erkennen konnte, dennoch war es ein Erlebnis. Auch wenn wir anfangs ein bisschen skeptisch waren ließen wir uns auf die kostenlose Teezeremonie ein. Knapp 30 Minuten lang wurde uns gezeigt, wie man auf traditionelle Art und Weise Tee in China zubereitet. Tatsächlich hatte das ganze entgegen meiner Erwartung keinen Haken und wir mussten weder etwas zahlen noch etwas kaufen. Eine Mischung aus Begeisterung über die Teezeremonie, dem eigentlichen Geschmack des Tees und einem Hauch von schlechtem Gewissen bewegte uns dann aber doch dazu, noch ein paar Pakete Tee zu kaufen. Nachdem wir das Teegeschäft samt unseren Einkäufen verlassen hatten, begaben wir uns auf den Weg zum Himmelstempelpark. Der Himmelstempelpark liegt noch weiter südlich und ist eine große Parkanlage, in der vor allem die Halle des Erntegebts (祈年殿; Qinian Dian) sehenswert ist. Zunächst standen wir am Eingang jedoch vor einer mit reichlichen Blumen bestückten Weltkarte in chinesischer Ausführung. Mit „chinesischer Ausführung“ meine ich, dass nicht etwa Europa in der Mitte liegt, sondern China. Links von China ist folglich der europäische und afrikanische, rechts der nord- und südamerikanische Kontinent abgebildet. Dies ist jedoch nicht wirklich verwunderlich, so heißt China schließlich auf Chinesisch „中国“ (Zhongguo), also übersetzt „Land der Mitte“.

Tag 7: Chinesische Mauer (Jiankou)

Dieser Tag sollte für uns der beeindruckenste der gesamten Reise werden. Am vorletzten Tag unseres Beijing-Urlaubs sind wir noch ein zweites Mal zur Chinesischen Mauer gefahren, dieses Mal aber zu dem Mauerabschnitt von Jiankou (后箭扣长城; Hou Jiankou Changcheng). Die Chinesische Mauer von Jiankou ist ein unrestauriertes, sogenanntes „wildes“ Teilstück der Mauer, welches von deutlich weniger Touristen besucht wird als der restaurierte Abschnitt von Mutianyu. Gemeinsam mit einem Chinesen, den wir am Vortag kennengelernt hatten, fuhren wir an den Fuß des Berges, auf dem die Mauer sein sollte. — Eine detaillierte Ausführung zu unserem Aufstieg und dem atemberaubenden Besuch der Mauer von Jiankou findest Du in meiner Reportage Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte — Nach diesem spektakulärem Ausflug, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird, folgte ein ebenfalls spektakuläres Abendessen. Zhengxing, unser chinesischer Bekannter, lud uns ein, gemeinsam mit seiner Familie zu Abend zu essen. In einem eigenen Separee eines noblen Beijinger Restaurants speisten wir verschiedenste lokale Spezialitäten. Der Vater von Zhengxing brachte uns zudem bei, wie man die Peking Ente richtig ist, was sich nochmal von der Art und Weise unterschied, wie ich sie zu Beginn der Woche aß. Besser hätte dieser Tag wohl nicht enden können und ich kann von Glück sprechen, dass wir das Privileg hatten gemeinsam mit einem Einheimischen die Chinesische Mauer ein zweites Mal besucht zu haben.

Tag 8: „Travel Around The World“

Kein Tag unserer Reise nach Beijing war einer, an dem wir nicht etwas Spannendes erlebten. Heute führte uns unser Weg, erneut mit Zhengxing als „Tourguide“, zum Sommerpalast (颐和园; Yihe Yuan), einer Tempelanlage etwas außerhalb der City gelegen. Dieser diente den Kaisern als Rückzugsort und ist mit einer Vielzahl von Tempeln, Gärten und Pavillons ausgestattet. Zusätzlich zur Besichtigung der Tempel fuhren wir mit einem kleinen Motorboot über den im Sommerpalast gelegenen Kunming-See (昆明湖; Kunming Hu), was eines der Highlights des Tages war. Nachdem wir den Sommerpalast ausgiebig besichtigt hatten, aßen wir gemeinsam zum Mittag und verabschiedeten uns im Anschluss von Zhenxing, der noch einen Termin hatte. Den letzten Abend ließen wir dann noch mit einem bzw. einigen Cocktails ausklingen. Der „Travel Around The World“ war einer davon. Dieser passte nicht nur namentlich sehr gut zu uns, sondern schmeckte auch äußerst gut.

FAZIT: Beijing ist eine Stadt, in der man sich problemlos eine Woche lang aufhalten kann und die in keiner China-Reise fehlen sollte. Wir haben während der vergangen Tage wahnsinnig viel erlebt und wollen keinen Programmpunkt davon missen, selbst nicht den Ausflug nach Mutianyu. Neben vielen historischen Tempelanlagen und weltberühmten Sehenswürdigkeiten bietet Beijing auch Szene-Cafés und Plätze, an denen man fernab des Trubels entspannen kann und in das ursprüngliche China eintauchen kann. Für mich wird es definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich diese vielseitige und moderne Metropole besucht habe!


Du möchtest auch mal nach Beijing reisen und weißt nicht genau, was Du Dir anschauen sollst? Schreib Deine Fragen in die Kommentare, sodass ich Dir Tipps geben kann, was die absoluten Must-Sees der Stadt sind!

TV-Interview – Wie man als Ausländer im Ausland zur Berühmtheit wird

Nachdem ich inzwischen aus Beijing zurück bin (Reisebericht & Reportage) und heute mein Midterm-Exam geschrieben habe, habe ich nun endlich die Zeit gefunden, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Viel Spaß beim Lesen!


Ausländer sind für viele Menschen häufig sehr spannend und stehen daher – ob gewollt oder ungewollt – des Öfteren im Mittelpunkt. Dies habe ich schon damals während meines Auslandsjahres in den USA festgestellt, wo mich jeder kannte und ich auf der Straße teilweise namentlich von Personen angesprochen wurde, die mir zuvor noch nie begegnet waren. Hier in China ist es ähnlich, nur in einer ganz anderen Dimension: Egal ob bei der Terrakotta-Armee oder auf dem Tiananmen-Platz in Beijing, als Europäer fällt man in China auf! Gerade wenn man groß und blond ist, so wie ich, rückt die eigentliche Attraktion (Terrakotta-Armee etc.) für viele Asiaten schnell in den Hintergrund, denn dann ist plötzlich der Europäer, also in dem Fall ich, die Attraktion. Dies ist vor allem in ländlicheren Gebieten oder in Gebieten, die von der Landbevölkerung mit Vorliebe bereist werden, der Fall. Schon oft musste ich an solchen Plätzen für ein Foto herhalten, was mir überhaupt nichts ausmacht, sofern ich vorher gefragt werde, was jedoch nicht immer der Fall ist. Und wenn doch, dann hat man schnell mal den Arm eines Chinesen oder einer Chinesin auf seinen Schultern liegen, so als ob man sich schon Jahre kennen würde und bestens befreundet wäre. Ich finde dies zumeist sehr amüsant und freue mich, dass ich den Menschen mit einer solchen Kleinigkeit eine verhältnismäßig so große Freude bereiten kann.

Neben solchen netten, wenn auch in einer Großstadt wie Xi’an nicht alltäglichen Begegnungen, hatte ich vergangenen Donnerstag die Möglichkeit, zu einer noch größeren „Berühmtheit“ zu werden.

Bereits vor einigen Wochen nahm ich an dem Fotowettbewerb „Shaanxi in My Eyes“ teil. Shaanxi ist eine von 22 chinesischen Provinzen, aber vor allem die, in der Xi’an liegt und die somit nun zu meinem zu Hause geworden ist. Die Organisatoren des Wettbewerbs, welcher in verschiedenen Magazinen und Online-Plattformen promotet wurde, hatten die Intention, Shaanxi aus der Perspektive eines bzw. mehrerer Ausländer, die über unterschiedlich lange Zeiträume in Shaanxi leben, darzustellen. Insgesamt wurden über 1000 Bilder eigesendet und ich war tatsächlich einer der sieben Fotografen, dessen Bilder ausgewählt wurden. Gleich vier meiner Bilder wurden ausgewählt und in einer Ausstellung in einem Buchladen, in dem in der vorherigen Woche noch eine National Geographic Ausstellung war, ausgestellt. Für mich als begeisterter Hobbyfotograf war es zwar nicht die erste Ausstellung, dafür aber die mit Abstand größte und vor allem die spannendste. Zudem war es das erste Mal, dass ich Geld durch meine Fotos verdient habe, da alle ein Preisgeld bekommen haben. Einige Tage nach der Eröffnungszeremonie, welche, ironischer Weise, ausschließlich auf Englisch war und vom lokalen Fernsehsender aufgezeichnet wurde, erhielt ich vom selben Sender eine Interviewanfrage. Shaanxi TV wollte mich zu meinen Bildern interviewen! Zwar wurden auch zwei der anderen Fotografen interviewt, dennoch war und bin ich mächtig stolz darauf nicht nur meine Bilder in der Ausstellung zu haben, sondern auch ein TV-Interview gegeben zu haben! Dieses fand einige Tage später in den Ausstellungsräumen statt und behandelte die Themen, die ich erwartete: Was ich in Xi’an mache, was mich an der Provinz fasziniert, wie ich zur Fotografie gekommen bin und, was die Geschichte hinter meinen Bildern ist. Mir machte es große Freude die Fragen zu beantworten und das Interview zu geben. Vor allem aber erwartete ich mit großer Spannung, was davon am Ende auch ausgestrahlt wurde.

Ich sehe es zugleich als Erfolg und als Privileg, meine Bilder in einer so tollen Ausstellung präsentieren zu dürfen und die Geschichte dahinter erzählen zu dürfen. Hierdurch kann ich nicht nur zum Austausch zwischen zwei doch sehr unterschiedlichen Kulturen beitragen, sondern vielmehr meine Botschafterrolle erfüllen und schlussendlich – so hoffe ich – zur Völkerverständigung beitragen, was meiner Ansicht nach mit die wichtigsten Ziele eines Freiwilligendienstes sind.


In den nächsten fünf Tagen werde ich täglich jeweils eines der vier Bilder posten, die in der Ausstellung ausgestellt sind. Am fünften Tag werde ich dann den Link zu meinem phänomenalen TV-Interview uploaden, welches definitiv sehenswert ist und durch die Synchronisierung durchaus recht lustig sein mag. Seid also gespannt und schaut in den nächsten Tagen wieder auf meinem Blog vorbei! Wenn Ihr den spannenden Beitrag zu meiner Beijing Reise und die Reportage über meinen atemberaubenden Ausflug zur Chinesischen Mauer, die bereits nächste Woche folgen werden, nicht verpassen wollt, dann abonniert doch gleich meinen Blog, solltet Ihr dies noch nicht getan haben 😉

Tag 1: Meine ersten Eindrücke von Xi’an

Heute Morgen bin ich in Xi’an, China, gelandet. Es ist die Stadt, in der ich die nächsten zwölf Monate meines Lebens verbringen werde und hoffentlich, eine unvergessliche Zeit erleben werde.

Mit Finnair flog ich gestern von Frankfurt aus über Helsinki bis zum Flughafen Xi’an-Xianyang. Doch bevor ich überhaupt in China ankam, stolperte ich schon über eine andere interessante Kultur: Die Finnische. Der Flughafen Helsinki war nicht nur vom Ambiente her sehr schön, sondern bot in seinen vielen Shops und Restaurants auch allerhand finnische Spezialitäten. So gab es alles rund ums Rentier – angefangen beim Rentierfell über Rentierstofftiere bis hin zum Rentierpie und -Burger. Doch die Zwischenlandung „verflog“ recht schnell, sodass ich nach einem weiteren 7,5-stündigen Flug um 6:40 Uhr morgens meinen Zielflughafen in China erreichte. Nach dem Passieren der chinesischen Einwanderungsbehörde empfing mich Kerstin – eine Sprachlehrerin des Goethe Sprachlernzentrums – und unser Fahrer. Nach einer ca. 45-minütigen Fahrt erreichten wir mein 70 m2 großes Apartment in der Chang’an South Road. Chang’an ist im Übrigen auch der einstige Name von Xi’an und bedeutet langer Friede. Samt meines Koffers ging es auf den 10. Stock des Gebäudes. Wer meint, dies sei hoch, täuscht, denn das Gebäude hat insgesamt 30 Stockwerke (abzüglich einem, da das Erdgeschoss wie in Amerika als erste Etage gezählt wird). Kerstin führte mich in meiner neuen Wohnung umher und zeigte mir alles, was ich wissen musste: So muss ich das Wasser erst mit Hilfe eines Boilers erhitzen und erst einen Wasserhahn auf dem Balkon aufdrehen, wenn ich die Waschmaschine nutzen möchte. Das Bad – welches für China ein typisches ist – war mir ebenfalls so zuvor noch nicht untergekommen. Neben des Fakts, dass es keine Duschwanne bzw. Duschkabine gibt und somit beim Duschen alles nass wird, kann man das Toilettenpapier auch nicht einfach in den Abfluss werfen, da sonst die Leitungen verstopfen. Somit muss dieses im Mülleimer, welcher bei ungünstiger Positionierung des Duschkopfes beim vorherigen Duschen wohlmöglich überflutet wird, entsorgt werden. Ach ja, das Leitungswasser kann übrigens aufgrund von Verunreinigungen auch nicht getrunken werden, Abhilfe schafft ein im Wohnzimmer stehender Getränkespender. Nach dieser kurzen Bestandsaufnahme haben wir eine Kleinigkeit gefrühstückt, wodurch mein Magen das erste Mal mit richtigem chinesischem Essen in Berührung kam. Es gab gefüllte Baozi (gedämpfte Teigtaschen) mit einem Karotten-Sellerie-Salat und einer Soja-Sesam-Milch. Nach dieser kulinarischen Einführung machten wir uns auf den Weg, allerlei Dinge zu erledigen und die Stadt zu erkunden. Unter anderem gingen wir zur örtlichen Polizeibehörde, um einen Aufenthaltstitel für mich zu beantragen, und kauften eine SIM-Karte sowie eine Metro-Card. Für einen Vertrag mit 5GB im Monat und 100 Freiminuten zahle ich nun 56 Yuan, umgerechnet 7€ (Yuan immer durch 8 teilen, so erhält man Euro). Für eine Fahrt in der Metro zahlten wir 1,8 Yuan, umgerechnet also gerade einmal 23 Cent. Wow, eine meiner ersten Erkenntnisse ist folglich, dass vieles hier wirklich extrem billig ist! Inzwischen hatte es begonnen zu regnen, doch das verbesserte zumindest die Luftqualität. Während unseres Spaziergangs sahen wir unter anderem die Wildganspagode, eines der Wahrzeichen von Xi’an. Die 64 Meter hohe Pagode wurde im 7. Jahrhundert erbaut und wird heute noch von fünfzig Mönchen bewohnt, die in einer mehr oder weniger traditionellen Lebensweise darin ihrer Religion nachgehen. So tragen diese laut Kerstin alle Gewänder und beten mehrmals täglich, nutzen aber genauso WeChat (das chinesische Pendant zu WhatsApp) wie alle anderen Chinesen auch. Und so endete mein erster Tag mit einer Fülle neuer Eindrücke in einer mir total fremden, aber schon jetzt sympathischen Kultur.