Chinglish (Teil 27)

Egal ob auf Speisekarten oder Kleidungsstücken, überall kann man es finden: Chinglish. Chinglish ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „Chinese“ (Chinesisch) und „English“ (Englisch). Der Begriff ist eine Anspielung darauf, dass die meisten Chinesen noch immer kaum bzw. zu großen Teilen gar kein Englisch sprechen und englische Übersetzungen daher häufig wenig sinnvoll oder schlicht falsch und komplett unverständlich sind. Dieses „Phänomen“ lässt viele westliche Chinareisende immer wieder schmunzeln und bei einer Speisekarte so manches Mal verzweifeln.

Kennst du weitere Beispiele für Chinglish? Schreibe deine lustigste Entdeckung in die Kommentare!
Jeden Montag poste ich einen kurzen Text über eine Beobachtung, die ich in China gemacht, oder eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Bitte beachte, dass einige der Texte auf subjektiven Eindrücken beruhen und nicht auf andere Quellen zurückzuführen sind. Alle bisher veröffentlichten Posts findest Du unter der Kategorie China für Einsteiger. Lese hier Teil 26 über die Kundenbetreuung in chinesischen Kaufhäusern.

Die interessanten Bedeutungen von chinesischen Städtenamen

China (中国), auf Chinesisch Zhongguo und wörtlich übersetzt das Land der Mitte, ist ein unglaublich großes Land, flächenmäßig sogar das viert größte auf der Erde und nach der Einwohnerzahl bekanntlich das größte im weltweiten Vergleich. Da es auch in China eine Landflucht zu beobachten gibt, wachsen die sowieso schon großen Städte immer weiter und neue werden von der Regierung ins Umland gebaut. Es entstehen riesige Städte, sogenannte Mega- und Metastädte, die teilweise sogar mehrere zehn Millionen Einwohner haben. Insgesamt gibt es über ein Dutzend Städte in China, die mehr als 10 Millionen Einwohner haben, darunter Metropolen wie Beijing und Shanghai. Doch warum heißt Beijing eigentlich Beijing und Shanghai Shanghai?

Beijing (北京), im Deutschen auch als Peking bekannt, bedeutet übersetzt nördliche Hauptstadt. Dies erscheint zunächst einmal logisch, schließlich liegt die Stadt im Norden Chinas und ist die heutige Hauptstadt der Volkrepublik. Nanjing (南京), eine Stadt in der Nähe von Shanghai mit knapp 8 Millionen Einwohnern, hat jedoch ebenfalls ein „jing“ im Namen, was auf eine Hauptstadt schließen lässt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Nanjing in der Ming-Dynastie tatsächlich zeitweise die Hauptstadt von China war. Da diese im Süden lag bedeutet Nanjing wörtlich übersetzt südliche Hauptstadt. Nun kommt vielleicht bei dem ein oder anderen die Frage auf, ob es auch eine östliche und eine westliche Hauptstadt gibt bzw. gab. An dieser Stelle muss man etwas genauer hinschauen: Was wir als Tokio (东京) kennen wird in China als Dongjing bezeichnet, also östliche Hauptstadt. Dies ist aus chinesischer Perspektive auch durchaus sinnvoll, schließlich liegt Japan östlich von China und Tokio ist die (abgesehen von Seoul und Pjöngjang) nächstgelegenste östliche Hauptstadt. Darüber hinaus gab es in China auch eine westliche Hauptstadt namens Chang’an (长安). Chang’an war die erste Hauptstadt des Kaiserreichs und bedeutet übersetzt ewiger Friede. Heute heißt Chang’an jedoch nicht mehr Chang’an sondern Xi’an (西安), was westlicher Friede bedeutet.

Doch auch unabhängig von jetzigen oder damaligen Hauptstädten weisen viele Namen chinesischer Groß- und Kleinstädte eine interessante Bedeutung auf: Shanghai (上海) heißt übersetzt auf dem Meer, was daran liegt, dass Shanghai, die wichtigste Industriestadt Chinas, unmittelbar am Meer liegt. Hongkong (香港) heißt auf Chinesisch Xianggang und bedeutet so viel wie duftender Hafen, was auf den in der Vergangenheit stattgefunden intensiven Handel mit duftenden Gewürzen zurückzuführen ist.

Übrigens lassen sich die Übersetzungen bei chinesischen Provinzen und einigen Bezeichnungen für Länder außerhalb Chinas ebenfalls auf die Geschichte oder geografische Lage zurückführen. So gibt es beispielsweise die Provinzen Hebei (河北) und Henan (河南). He bedeutet übersetzt Fluss, bei steht genauso wie bei Beijing für Norden und nan wie bei Nanjing für Süden. Somit bedeutet Hebei nördlich des Flusses und Henan südlich des Flusses. Auch hier ist der geografische Faktor klar erkennbar: Hebei liegt nördlich und Henan südlich des Gelben Flusses, dem zweitlängsten Fluss Chinas. Betrachtet man die Länder außerhalb Chinas, ist es ebenfalls interessant, welche Namen die Chinesen sich für diese ausgedacht haben. Viele sind einfach nur phonetische Übersetzungen, so heißt Kasachstan (哈萨克斯坦) auf Chinesisch beispielsweise Ha sa ke si tan. Bei den USA (美国) waren die Chinesen dafür etwas kreativer, auf Chinesisch heißt USA nämlich Meiguo, was so viel wie das schöne Land bedeutet.


Wer gut aufgepasst hat, müsste nun nicht nur einige neue chinesische Städte kennen, sondern sich auch die chinesische Bezeichnung der Himmelsrichtungen ganz einfach merken können sowie viele chinesische Provinzen damit geografisch besser Einordnen können 😉

PS: Wenn Du diesen Artikel gelesen hast, lässt sich auch eine Frage in dem von mir erstellten China-Quiz ganz einfach beantworten 😀

PPS: Nicht nur in China gibt es interessante Städtenamen. Unter folgendem Link findest Du zehn weitere Beispiele mit weltweiten weltweiten Metropolen samt ihren Bedeutungen. (Externe Website)


Quellen: Das Titelbild ist ein bearbeiteter Screenshot von Google Maps; Einige Kennzahlen entstammen der Wikipedia

Zwei Wochen Uni – ein erster Rückblick

Es ist schon komisch, nach dem bestandenen Abitur nun schon wieder lernen zu müssen. Aber das ist es, wofür ich mich entschieden habe und ich muss sagen, Chinesisch lernen macht sogar richtig Spaß!

Als Student bin ich für zwei Semester an der Xi’an International Studies University (XISU) immatrikuliert und lerne dort Tag für Tag Chinesisch. Eingestuft bin ich in der Anfängerklasse 1A, die mich namentlich doch häufiger mal an meine Grundschulzeit zurückdenken lässt. Der Unterricht, welcher täglich von 8:20 Uhr bis 12:00 Uhr andauert, ist seit der ersten Stunde ausschließlich auf Chinesisch. Auch wenn ich mir zu Beginn nicht vorstellen konnte, dass ich überhaupt etwas verstehen würde, schaffen es die Lehrer doch – wenn auch buchstäblich mit Händen und Füßen – uns zu vermitteln, was sie meinen. Umgeben bin vor allem von Kasachen, Usbeken und Koreanern. Vor mir sitzen noch zwei Amerikaner, rechts von mir eine Ukrainerin, alle anderen meiner knapp 20 Kommilitonen stammen aus dem asiatischen Raum. Die Herausforderung ist für mich, dass die meisten von ihnen weder Chinesisch noch Englisch können, heißt im Klartext, dass ich mich mit der Mehrzahl momentan nur sehr schwer verständigen kann. Auf nonverbalem Wege bekommt man jedoch einiges mehr vermittelt, als man vielleicht glauben mag.

In der ersten Woche haben wir uns vor allem mit dem Pinyin und der Phonetik im Allgemeinen auseinandergesetzt. Pinyin ist die phonetische Umschrift des Hochchinesischen auf Basis des lateinischen, also uns bekannten, Alphabets. Die Chinesische Sprache selbst kennt vier verschiedene Töne und einen sogenannten „neutralen“ Ton. Die richtige Betonung dieser sowie die Aussprache von Lauten wie „zhi“ oder „zou“ haben es in sich. Teilweise höre ich noch nicht einmal den Unterschied, geschweige denn, dass ich die Wörter richtig aussprechen kann. Je nach Tonart haben diese zudem eine ganz andere Bedeutung, was die Sache noch komplizierter macht. So heißt beispielsweise mā Mama und mǎ Pferd. Sì heißt vier und sǐ Tod, was auch der Grund dafür ist, dass die Zahl vier in China als Unglückszahl gilt (spricht man sie nämlich falsch aus, spricht man vom Tod).

In der zweiten Woche begannen wir dann, die ersten Schriftzeichen zu lernen. Jeder Strich muss hier in der richtigen Reihenfolge gesetzt und selbstverständlich an der richtigen Stelle platziert und in die richtige Richtung gezogen werden. Tatsächlich kann man selbst in der heute gebräuchlichen vereinfachten Form des Mandarins noch in manchen Schriftzeichen einen realen Bezug erkennen. So ist beispielsweise das Zeichen von kǒu (口), was „Mund“ bedeutet, eine Art Viereck, was also grob die Umrisse vom Mund darstellt. Mir geht es jedoch meistens so, dass ich es erst erklärt bekommen muss, um einen solchen Bezug herstellen zu können. Ein weiteres Beispiel ist zǎoshang (早) und bedeutet übersetzt „morgen“. In dem Zeichen lässt sich mit zugegebener Maßen einiger Fantasie die aufgehende Sonne und der Horizont erkennen.

In den bisherigen zwei Wochen habe ich also schon einiges gelernt. Hier nun eine kleine Kostprobe, der Lesbarkeit halber sowohl in Pinyin als auch als Schriftzeichen (und natürlich zusätzlich als deutsche Übersetzung):

Nǐ hǎo! Wǒ jiāo Alex hé shì Déguó rén. Wǒ shì liúxuéshēng. Wǒ xuéxí Hànyǔ. Nǐ ne?

你好!我叫 Alex 和是德国人。我是留学生。我学习汉语。你呢?

(„Hallo! Ich heiße Alex und bin Deutscher. Ich bin ein Schüler, der im Ausland studiert. Ich lerne Chinesisch. Und Du?“)


Was ich in meiner FSJ-Einsatzstelle beim Goethe-Sprachlernzentrum mache, erfahrt Ihr in einem der kommenden Beiträge 😉