Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte

Die Straßen Beijings sind noch leer und der Lärm der Stadt als solcher kaum wahrnehmbar, als uns noch vor Einbruch der Morgendämmerung unser chinesischer Bekannter abholt. Tatsächlich ist er zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Bekannter, sondern vielmehr eine Person, mit der wir am Vortag einige Male per WeChat hin und her geschrieben haben. Mit dem Allrad-betriebenen Auto seines Vaters geht es nun los, los in Richtung Abenteuer Chinesische Mauer!

Die Chinesische Mauer, die häufig auch als Große Mauer bezeichnet wird, ist eines der wohl bekanntesten und zugleich beeindruckendsten Bauwerke der Erde. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 21.000 km ist sie zudem sowohl hinsichtlich des Volumens als auch der Masse das größte Bauwerk der Welt. Bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. begann man im kaiserlichen China mit dem Bau der Mauer, mit dem Ziel vor Augen, das chinesische Kaiserreich vor nomadischen Völkern zu schützen. Trotz ihrer gigantischen Ausmaße verfehlte die Mauer meistens ihr Ziel und stellte kein großes Hindernis für Angreifer dar. So überrannte die mongolische Armee die Mauer genauso wie die Mandschu. Im Verlaufe der Zeit und mit Anbruch des 19. Jdt. wurde die Mauer nutzlos, denn die Feinde kamen immer häufiger übers Meer. Deshalb geriet sie irgendwann in Vergessenheit und diente fortlaufend höchstens als Steinbruch. Obwohl die UNSECO die Mauer bereits 1987 zum Welterbe erklärte, ist sie erst seit dem Jahr 2006 offiziell geschützt. Im Jahr 2007 wurde sie dann im Rahmen einer Privatinitiative von 70 Millionen Menschen zu einem der „sieben neuen Weltwunder“ gekürt.*

Den Titel eines der sieben neuen Weltwunder zu sein hat sich die Mauer unserer Meinung nach redlich verdient. Nach einer etwa eineinhalb stündigen Autofahrt erreichen wir zwar immer noch nicht die Mauer, dafür aber den Punkt, an dem der Aufstieg beginnen soll. Im Vorfeld haben wir uns für das Mauerstück bei Jiankou entschieden, welches wir nun von der Südseite aus erklimmen wollen. Das Erklimmen der Mauer ist jedoch einfacher gesagt als getan. Der Aufstieg zu diesem Mauerstück ist nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich und sogar verboten. Da sowohl Zhengxing, unser chinesischer „Bekannter“, als auch mein Reiseführer jedoch dieses Stück empfehlen, lassen wir uns nicht Abhalten und beginnen mit dem Aufstieg.

Ich spüre förmlich die Energie und Motivation, die die frische Landluft und das zu erwartende Ziel in mir entfachen. Mit reichlich Proviant ausgestattet und voller Tatendrang begeben wir uns auf den Wanderweg, der schon nach kurzer Zeit immer schwerer auszumachen ist und noch nicht einmal mehr einem Trampelpfad gleicht. Schritt für Schritt und mit eisernem Willen gehen, nein vielmehr klettern wir in Richtung Mauer. Anstelle, dass wir nun aber die Mauer erblicken, stehen wir plötzlich inmitten eines Ackers. Dies veranlasst mich dann doch dazu meine zuvor abgespeicherte Karte einzusehen und zum Unmut aller festzustellen, dass wir während den vergangenen 30 Minuten einen völlig falschen Weg eingeschlagen haben. Inzwischen wieder auf dem richtigen Pfad angekommen, läuft Zhengxing, den ich mittlerweile als chinesischen Bekannten einstufen würde, schon der Schweiß die Stirn hinab. Doch mit jedem weiteren Höhenmeter ging es mir ähnlich, zumal die Passagen immer steiler, rutschiger und somit auch gefährlicher wurden.

Bereits zwei Tage zuvor hatten wir ein anderes Mauerstück besucht: Mutianyu. Dieses ist neben Badaling eines der bekanntesten Abschnitte der Chinesischen Mauer und unweit Beijing entfernt. Entgegen Jiankou ist Mutianyu jedoch ein Mauerstück, welches restauriert und touristisch gut erschlossen ist. Wahlweise können Touristen den Sessellift oder die Seilbahn nutzen, um zur Mauer zu gelangen. Im Anschluss geht es dann für die meisten Besucher mit einer Rodelbahn wieder zurück ins Tal, wo sie schon von den Reisebussen und Souvenir-Verkäufern erwartet werden. Aufgrund der gewaltigen Dimensionen der Mauer gibt es jedoch unzählige weitere, deutlich weniger populäre Orte, an denen sich die Mauer erklimmen lässt. Einige davon sind restauriert, die meisten jedoch sogenannte „wilde“ Abschnitte, die nur vereinzelt von abenteuerlustigen Touristen aufgesucht werden.

Doch erst das wilde Mauerstücke von Jiankou ist es, was bei uns diesen „Wow-Moment“ auslöst, als wir nach drei zähen Stunden endlich oben ankommen. Der Blick ist einfach unbeschreiblich und entschädigt für alle Mühen des Aufstiegs. Gemeinsam mit Zhengxing, den ich nun beinahe als Freund einstufen würde, lassen wir den Blick bis zum Horizont schweifen, an dem noch immer kein Ende der Mauer in Sicht ist. Und würde man bis zu diesem Punkt laufen und erneut den Horizont betrachten, so sähe man wohl immer noch die Mauer.

Den Moment, an dem ich zum ersten Mal die Mauer erblickte, werde ich wohl nie vergessen. Ohne meine Offline-Karten-App, die sich für jeden Touristen empfiehlt, der die Mauer in einem wilden Stück besteigen will, wäre der Aufstieg für uns wohl unmöglich gewesen, da es unzählige Abzweigungen und keinerlei Beschilderung gab. Oben angekommen, total erschöpft aber doch froh, dass wir durchgehalten haben, können wir dann endlich anfangen zu genießen: Wir haben es geschafft, wir sind auf einem der atemberaubendsten und beeindruckendsten Bauwerke der Welt!

Es ist genau dieses Mauerstück, das uns ein Gefühl für die bewegte Geschichte, für die Anstrengungen der Erbauer und für die gewaltigen Dimensionen der Mauer gibt. Unzählige Stunden lässt es sich auf ihr entlangwandern, entlangklettern oder auch einfach in Ruhe entlangschauen. Die Chinesische Mauer ist für mich ein Ort voller Magie, aber vor allem ein Ort, den jeder einmal gesehen haben sollte.

*Die genauen Kennzahlen der Chinesischen Mauer wurden von mir am 19.11.2017 auf der Wikipedia-Seite abgerufen.

Meine Reise nach: Beijing (北京)

Endlich ist es vollbracht. Mit reichlich Verspätung erscheint nun mein Blogbeitrag zu Beijing! Vergangenen Monat habe ich eine achttägige Reise in die chinesische Hauptstadt unternommen. Ihr wollt auch nach Beijing reisen oder seid neugierig, was ich erlebt habe? Dann lest hier mehr über meine tollsten Erlebnisse und spannendsten Eindrücke. Neben vielen Hintergrundinformationen und chinesischen Übersetzungen zu den Hauptsehenswürdigkeiten findet Ihr ebenfalls eine Vielzahl an Bildern, die meine Beschreibungen hoffentlich noch anschaulicher machen.


Tag 1: Ankunft mit 300 km/h

Mit dem „Bullet Train“ ging es Samstagmorgens von Xi’an nach Beijing. Für die knapp 1000 km lange Strecke (von Flensburg bis nach München sind es gerade einmal 750 km) brauchte der Zug bei einer Geschwindigkeit von 300 km/h gerade einmal 4,5 Stunden. Nachdem wir – eine Freundin aus Nanjing und ich – in unser Hostel eigecheckt hatten, machten wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. Dabei kamen wir am Beihai Park (北海公园; Beihai Gongyuan) vorbei, der durch seine Tempelanlagen und den großen, mittig gelegenen See, eine tolle Atmosphäre ausstrahlte. Im Park erklommen wir einen Hügel und stiegen hinauf zu der weißen Pagode, von der aus wir einen wunderbaren Überblick über die Parkanlage und Teile Beijings hatten. Inzwischen war es dunkel, doch eine Fülle von Lichtern ließ den Himmel hell erleuchten, was wirklich ein unvergessliches Erlebnis gleich am ersten Abend war.

Tag 2: Nationalfeiertag auf dem größten Platz der Welt

Unser erster voller Tag in Beijing, der heutigen Hauptstadt der Volkrepublik China, war ein ganz besonderer: Es war der 1. Oktober, Chinas Nationalfeiertag, an dem 68 Jahre zuvor von Mao Zedong die Volkrepublik ausgerufen wurde. Wie jeden Tag fand auch an diesem Sonntagmorgen die Fahnenzeremonie auf dem Tiananmen-Platz (天安门广场; Tiananmen Guangchang) statt, bei der Soldaten der Volksbefreiungsarmee vor dem Tor des Himmlischen Friedens (天安门; Tiananmen) die chinesische Flagge hissten. Schon an normalen Tagen muss man früh sein, um die Zeremonie, die bei Sonnenaufgang startet, aus einem guten Blickwinkel verfolgen zu können. Wir mussten uns an diesem Morgen jedoch noch früher auf den Weg machen (bereits um 4:15 Uhr), da man davon ausgehen konnte, dass der Platz sich aufgrund des Nationalfeiertages deutlich schneller füllen würde als an gewöhnlichen Tagen. Die Zeremonie selbst war unserer Ansicht nach gar nicht besonders spektakulär, dafür aber die Menschenmassen, die sich versammelten, um diese zu beobachten. Wir quetschten uns vorbei an unzähligen Chinesen, um einen einigermaßen guten Blick zu erlangen. Zwar konnten wir selbst kaum sehen, wie die Fahne gehisst wurde, dafür das Ganze aber auf den zahlreichen Smartphones verfolgen, die um uns herum in die Luft gehalten wurden. Zum Ende der Zeremonie hin wurden dann aufgrund des Feiertages auch noch Vögel fliegen gelassen, was eine große Begeisterungswelle mit sich zog. Nachdem die Fahne gehisst und Zeremonie vorüber war (sie dauerte nicht einmal zehn Minuten), schlenderten wir für eine ganze Weile über den Tiananmen-Platz, der im Übrigen der größte öffentliche Platz der Welt ist. Dabei gingen wir am Mao-Mausoleum (毛主席纪念堂; Mao Zhuxi Jiniantang) vorbei, welches sich in der Mitte des Platzes befindet und den aufgebahrten Leichnam des einstigen chinesischen Staatspräsidenten beherbergt. Östlich des Platzes liegt das Chinesische Nationalmuseum (中国国际博物馆; Zhongguo Guoji Bowuguan), welches das größte Museum der Welt ist, westlich die Große Halle des Volkes, welche das Parlamentsgebäude der Volkrepublik ist. Nachdem wir in einer Seitenstraße ein paar Baozi gefrühstückt hatten, führte uns unser Weg in die Verbotene Stadt (紫禁城; Zijin Cheng), der abgesehen von der Chinesischen Mauer wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Beijings und einer der bekanntesten Chinas. Die Verbotene Stadt ist ein Ensemble historischer Bauten und die größte Palastanlage der Welt. Hier lebten viele der einstigen Kaiser über mehrere Dynastien hinweg. Ein Highlight der Anlage war die Uhrenaustellung (钟表馆; Zhongbiao Guan), die aus einer Ansammlung von spektakulären und eigens für den Kaiser angefertigten Uhren besteht. So gab es einige, die mehrere Meter groß waren und andere, die in prunkvolle Skulpturen eingearbeitet wurden. Nicht so spektakulär wie erwartet aber dennoch nett anzusehen war die Uhrenvorführung, bei der einige der kleineren Exemplare wie eine Art chinesische „Kuckucksuhr“ ihr Kunststück vorführten. Nachdem wir uns nun für einige Stunden in den alten Gemäuern aufgehalten hatten und es sich immer weiter füllte, entschieden wir uns die Verbotene Stadt zu verlassen und weiter in die Hutongs (胡同; Hu Tong) zu gehen. Wir streiften ein wenig umher, beschlossen dann jedoch uns in ein Café zu setzten und am nächsten Morgen noch einmal zurückzukehren. Nachdem wir dann endlich mit Hilfe einiger Chinesen ein Café ausfindig gemacht hatten und dort einen westlichen Kaffee genossen (meistens findet man in Chinas nach meinem jetzigen Kenntnisstand nur Instant-Kaffee), fuhren wir mit der U-Bahn zu einem der größten Märkte Beijings, dem Panjiayuan-Markt (潘家园古玩市场; Panjiayuan Guwan Shichang). Vor allem am Wochenende reihen sich hier Stand an Stand, Antiquitäten an möchtegern Antiquitäten und alles, was man sich sonst noch vorstellen kann. Angefangen bei Kalligrafien bis hin zu Teppichen und Büchern ist auf diesem Markt alles vertreten. Wir waren begeistert von der großen Vielfalt und verbrachten einige Stunden damit uns die Stände anzugucken und mit dem einen oder anderen Händler in unserem gebrochenen Chinesisch zu verhandeln, um einige tolle Souvenirs zu ergattern. Zwar waren wir nun schon seit mehr als zwölf Stunden auf den Beinen, dennoch war unser Tag noch lange nicht vorbei. Für unser Abendessen fuhren wir zurück ins Zentrum, genauer gesagt zu der bei Touristen sehr beliebten Wangfujing Street. Hier findet man wirklich alles, was auch nur irgendwie essbar ist und von den Touristen als typisches chinesisches Essen angesehen werden kann. Bevor wir uns jedoch diesen „Spezialitäten“ widmeten, aßen wir erst einmal eine Peking Ente (烤鸭; Kao Ya), dem wohl bekanntesten Gericht der Stadt und einem Must-Eat für jeden Beijing-Touristen. Wenn man jedoch keine Ahnung hat wie man diese isst sollte man sich dies vorher einmal erklären lassen, denn sonst isst man wohlmöglich die Pfannkuchen und Gurkenscheiben als Beilage. Trotz des Faktes, dass ich halbwegs wusste, wie ich die Peking Ente zu essen hatte, war ich vom Geschmack doch etwas enttäuscht. Die Realität kann meiner Ansicht nach nicht wirklich mit dem Ruf bzw. Bekanntheitsgrad mithalten. Nach dem Abendessen stürzten wir uns erneut in das Getrubel der recht engen Wangfujing Straße. Die Krönung des Tages war dann, dass wir einen Spieß mit frittierten Skorpionen kauften. Getreu dem Gedanken „Wenn Du nicht probierst, kannst Du auch nicht darüber urteilen“ haben wir tatsächlich probiert und sogar alle vier Skorpione aufgegessen, denn diese schmeckten tatsächlich gar nicht so schlecht. Geschmacklich und von der Konsistenz her ähnelten diese unseren Chips und waren somit einmal ein ganz abwechslungsreicher Snack.

Tag 3: Eine Louis Vuitton Tasche für 400 Yuan

Wie gestern beschlossen starteten wir unseren heutigen Tag mit einem Frühstück in den Hutongs (胡同; Hu Tong), die wir uns gestern nur sporadisch angeguckt hatten. Als Hutongs bezeichnet man die kleinen, altertümlichen und leicht heruntergekommenen Gassen in Beijing. Leider werden die teilweise sogar unter Denkmalschutz stehenden Hutongs immer öfters abgerissen, weshalb es immer schwerer wird, dass „ursprüngliche“ Beijing zu entdecken. Von drei Gebieten, in denen wir während der Reise die Hutongs besuchten, gefielen uns die heutigen im Stadtteil Houhai am besten. Rund um den Rundeli-Naschmarkt (润得立菜市场; Rundeli Caishichang) gab es hier viele kleine Gassen, uns verwundert anschauende Bewohner und allerlei kleine Stände mit köstlichem Essen. Wir probierten die verschiedensten Dinge, ohne überhaupt eine Idee davon zu haben, was wir da gerade eigentlich aßen. Wir verirrten uns immer tiefer in die Gassen bis wir dann schließlich bei den Geschäften östlich der Houhai-Seen (后海湖; Houhai Hu) herauskamen. Hier gab es viele Bars, Souvenirläden und überteuerte Restaurants. Von dort aus arbeiteten wir uns immer weiter östlich vor, vorbei an dem imposanten Trommelturm (鼓楼; Gulou) und Glockenturm (钟楼; Zhonglou) bis zum Lamakloster, das noch einmal weitere 2 km entfernt lag. Das Lamakloster (雍和宫; Yonghe Gong) ist der berühmteste buddhistisch-tibetische Tempel außerhalb Tibets und diente bis zum Jahre 1744 als Kaiserresidenz. Besonders imposant und unbedingt einen Besuch wert ist die 18 m hohe Buddha-Statue im Wanfu-Pavillon innerhalb des Klosters, die aus einem einzigen Baum geschnitzt ist. Das volle Kontrastprogramm bot dann unser nächster Stopp, die Silk Street. Ich weiß nicht genau was ich mir vorgestellt hatte, auf jeden Fall nicht das, was uns hier erwartete! Wir stiegen aus der U-Bahn aus und standen schon mitten drin, in einem riesigen, durchaus schick und modern eingerichteten Kaufhaus, das ausschließlich Markenplagiate anbietet. Von Gucci über Prada bis hin zu Louis Vuitton und vielen anderen High-End-Marken wurde alles so präsentiert, als würden die Artikel echt sein. Ich war völlig überfordert mit der Fülle an Fälschungen, zumal ich in China bis dato deutlich weniger davon gesehen hatte, als ich zurück in Deutschland angenommen hatte. Aus reiner Neugierde fragte ich bei einigen Artikeln nach dem Preis und verhandelte sogar, selbstverständlich mit dem Wissen, dass ich mir niemals ein Plagiat kaufen würde. So wurde mir beispielsweise eine Louis Vuitton Tasche (Neupreis in Deutschland knapp 1500€) im ersten Geschäft für 2500 Yuan, also umgerechnet 300€, angeboten. Bis ich das Geschäft verlies ging die Verkäuferin bis auf 1000 Yuan (ca. 125€) herunter. Im nächsten Geschäft handelte ich die wirklich für eine Fälschung qualitativ hochwertig verarbeitete Tasche, die der Originalen zum Verwechseln ähnlich sieht, auf 400 Yuan (ca. 50€) herab. Reichlich überrascht von der Direktheit, mit der gefälschte Produkte hier präsentiert wurden (Fotos machen war übrigens verboten), verließen wir das Gebäude und gingen zur fußläufig zehn Minuten entfernten Place Shopping Mall, in der es nun endlich wieder die echten Marken gab. Hier wollten wir jedoch nicht shoppen, sondern uns die große elektronische Leinwand anschauen, die zwischen dem zweigeteilten Gebäudekomplex über der Straße befestigt ist. Ähnlich wie die, die ich vor einigen Jahren bereits in Las Vegas bewundert habe, liefen hier verschiedenste Spots, die bei der einsetzenden Dämmerung durchaus sehenswert waren. Am Abend trafen wir dann noch zwei Schweizer Bekannte, mit denen wir rund um die Gulou Dongdajie noch einige Bars besuchten.

Tag 4: 798 Art District

Heute führte uns unser Weg in den 798 Art District (七九八艺术新区; Qi Jiu Ba Yishu Xin Qu), einem immer beliebter werdenden Szene- und Künstlerviertel von Beijing. Etwas außerhalb gelegen erreichten wir das Gelände jedoch gut per Bus, auch wenn dieser über den Großteil der Strecke etwas überfüllt erschien. Der Art District selbst, der auf einem ehemaligen Fabrikgelände angelegt ist, beherbergt unzählige kleiner und großer Galerien und ist hierdurch wohl der beste Ort innerhalb Beijings, um zeitgenössische Kunst zu bewundern. Einige Galerien kosten etwas Eintritt, die meisten sind jedoch kostenlos. Wir verbrachten den gesamten Tag damit, das Gelände zu erkunden, da es so viele interessante Dinge zu entdecken gab und einen tollen Gegensatz zu dem traditionellen Beijing der vergangenen Tage darstellte. Am Nachmittag nahmen wir an einer Kaffeeverkostung teil, die ein ganz besonderes Erlebnis war. Noch nie zuvor hatte ich so viele verschiedene Kaffeesorten probiert, die alle aus anderen Ländern der Welt stammten. Insgesamt 10 standen zur Verkostung bereit, welche alle samt hervorragend schmeckten. Erst durch das Probieren so vieler verschiedener Aromen innerhalb kürzester Zeit habe ich für mich selbst herausgefunden, wie vielseitig Kaffee eigentlich sein kann und verstanden, warum man an einer Hamburger Hochschule sogar Kaffeemanagement studieren kann. In einer großen Ausstellungshalle gab es zudem eine temporäre Ausstellung über chinesische Erfindungen, welche bislang allerdings nur auf dem Papier oder höchstens als Prototypen existieren. Die vielfältigen Ideen reichten von einer neuen Toilettenform bis hin zu Rollatoren und Rehabilitationsrobotern.

Tag 5: Chinesische Mauer (Mutianyu)

Wenn man durch China reist, dann ist die Chinesische Mauer (万里长城; Wanli Changcheng) ein absolutes Must-See. Daher machten wir heute einen Ausflug zur Großen Mauer von Mutianyu (慕田峪长城; Mutianyu Cahngcheng). Zusammen mit zwei spanischen Freunden machten wir uns schon früh morgens auf den Weg, um die Mauer noch vor den Touristenmassen zu erreichen, was uns jedoch misslang. Anstelle dessen kam uns das ganze eher vor wie eine „Butterbrots-Tour“, auf der jeder unser Geld haben wollte. Schon bevor wir überhaupt in den Bus einstiegen sprach uns an der Haltestelle eine als Busfahrerin verkleidete Frau an und wollte uns in einen überteuerten Privatbus locken. Hätte ich nicht zuvor im Reiseführer über diese Masche gelesen, wären wir wahrscheinlich tatsächlich auf diese Überrumpelungstaktik hereingefallen. Während wir dann im richtigen Bus saßen und der Mauer immer näherkamen, versuchten uns immer mehr Chinesen aus dem Bus zu locken, indem sie uns glauben ließen, dass dies die Station zum Aussteigen sei, um uns im Anschluss mit ihren Privatfahrzeugen zur Mauer zu fahren. Doch auch davor wurden wir im Vorfeld gewarnt und vielen somit nicht darauf rein. Dies war der erste Tag in China, in dem ich das Gefühl bekam, über den Tisch gezogen zu werden. Leider war es auch der erste Tag, an dem ich unfreundliche und dreiste Chinesen kennenlernte. Egal, die Mauer machte dann alles wieder wett. Mit dem Sessellift ging es hoch zur Mauer, mit der Rodelbahn wieder runter. Wir liefen mehrere Stunden auf der Mauer entlang. Je weiter wir uns von Sessellift und Seilbahn entfernten desto weniger Touristen begegneten uns. Dennoch war dies nicht das Erlebnis, was ich mir erhofft hatte und ein „Wow-Moment“ blieb aus. Keine Frage, es war spektakulär und ein vor allem für Familien toller Mauer-Abschnitt, dennoch war ich ein wenig enttäuscht. Daher entschieden wir uns am übernächsten Tag noch einmal zu einem unrestaurierten Abschnitt der Mauer zurückzukehren, der uns den Atem raubte und spektakulärer nicht hätte sein können. Zurück in Beijing stand dann noch der Besuch der Geisterstraße (簋街; Gui Jie) auf dem Programm, die vor allem für ihren Feuertopf und ihre würzigen Meeresfrüchte bekannt ist. Deshalb scheuten wir keine Kosten und genossen ein leckeres Abendessen in einem der vielen Restaurants.

Mehr Hintergrundinformationen zur Chinesischen Mauer gibt es in meiner in den kommenden Tagen erscheinenden Reportage „Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte“.

Tag 6: Die etwas andere Weltkarte

Nach den Anstrengungen der letzten Tage gingen wir den heutigen Tag etwas ruhiger an. Der heutige Hauptprogrammpunkt war der Himmelstempelpark (天坛公园; Tiantan Gongyuan), doch zuvor schlenderten wir noch etwas durch die Hutongs (胡同; Hu Tong) im Bezirk Dashilar. Halt machten wir unter anderem in einem kleinen Teehaus. Zwar war dieses durchaus etwas touristisch, was man nicht zuletzt an der englischsprachigen Verkäuferin erkennen konnte, dennoch war es ein Erlebnis. Auch wenn wir anfangs ein bisschen skeptisch waren ließen wir uns auf die kostenlose Teezeremonie ein. Knapp 30 Minuten lang wurde uns gezeigt, wie man auf traditionelle Art und Weise Tee in China zubereitet. Tatsächlich hatte das ganze entgegen meiner Erwartung keinen Haken und wir mussten weder etwas zahlen noch etwas kaufen. Eine Mischung aus Begeisterung über die Teezeremonie, dem eigentlichen Geschmack des Tees und einem Hauch von schlechtem Gewissen bewegte uns dann aber doch dazu, noch ein paar Pakete Tee zu kaufen. Nachdem wir das Teegeschäft samt unseren Einkäufen verlassen hatten, begaben wir uns auf den Weg zum Himmelstempelpark. Der Himmelstempelpark liegt noch weiter südlich und ist eine große Parkanlage, in der vor allem die Halle des Erntegebts (祈年殿; Qinian Dian) sehenswert ist. Zunächst standen wir am Eingang jedoch vor einer mit reichlichen Blumen bestückten Weltkarte in chinesischer Ausführung. Mit „chinesischer Ausführung“ meine ich, dass nicht etwa Europa in der Mitte liegt, sondern China. Links von China ist folglich der europäische und afrikanische, rechts der nord- und südamerikanische Kontinent abgebildet. Dies ist jedoch nicht wirklich verwunderlich, so heißt China schließlich auf Chinesisch „中国“ (Zhongguo), also übersetzt „Land der Mitte“.

Tag 7: Chinesische Mauer (Jiankou)

Dieser Tag sollte für uns der beeindruckenste der gesamten Reise werden. Am vorletzten Tag unseres Beijing-Urlaubs sind wir noch ein zweites Mal zur Chinesischen Mauer gefahren, dieses Mal aber zu dem Mauerabschnitt von Jiankou (后箭扣长城; Hou Jiankou Changcheng). Die Chinesische Mauer von Jiankou ist ein unrestauriertes, sogenanntes „wildes“ Teilstück der Mauer, welches von deutlich weniger Touristen besucht wird als der restaurierte Abschnitt von Mutianyu. Gemeinsam mit einem Chinesen, den wir am Vortag kennengelernt hatten, fuhren wir an den Fuß des Berges, auf dem die Mauer sein sollte. — Eine detaillierte Ausführung zu unserem Aufstieg und dem atemberaubenden Besuch der Mauer von Jiankou findest Du in meiner Reportage Die Chinesische Mauer – Ein Ort, den jeder gesehen haben sollte — Nach diesem spektakulärem Ausflug, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird, folgte ein ebenfalls spektakuläres Abendessen. Zhengxing, unser chinesischer Bekannter, lud uns ein, gemeinsam mit seiner Familie zu Abend zu essen. In einem eigenen Separee eines noblen Beijinger Restaurants speisten wir verschiedenste lokale Spezialitäten. Der Vater von Zhengxing brachte uns zudem bei, wie man die Peking Ente richtig ist, was sich nochmal von der Art und Weise unterschied, wie ich sie zu Beginn der Woche aß. Besser hätte dieser Tag wohl nicht enden können und ich kann von Glück sprechen, dass wir das Privileg hatten gemeinsam mit einem Einheimischen die Chinesische Mauer ein zweites Mal besucht zu haben.

Tag 8: „Travel Around The World“

Kein Tag unserer Reise nach Beijing war einer, an dem wir nicht etwas Spannendes erlebten. Heute führte uns unser Weg, erneut mit Zhengxing als „Tourguide“, zum Sommerpalast (颐和园; Yihe Yuan), einer Tempelanlage etwas außerhalb der City gelegen. Dieser diente den Kaisern als Rückzugsort und ist mit einer Vielzahl von Tempeln, Gärten und Pavillons ausgestattet. Zusätzlich zur Besichtigung der Tempel fuhren wir mit einem kleinen Motorboot über den im Sommerpalast gelegenen Kunming-See (昆明湖; Kunming Hu), was eines der Highlights des Tages war. Nachdem wir den Sommerpalast ausgiebig besichtigt hatten, aßen wir gemeinsam zum Mittag und verabschiedeten uns im Anschluss von Zhenxing, der noch einen Termin hatte. Den letzten Abend ließen wir dann noch mit einem bzw. einigen Cocktails ausklingen. Der „Travel Around The World“ war einer davon. Dieser passte nicht nur namentlich sehr gut zu uns, sondern schmeckte auch äußerst gut.

FAZIT: Beijing ist eine Stadt, in der man sich problemlos eine Woche lang aufhalten kann und die in keiner China-Reise fehlen sollte. Wir haben während der vergangen Tage wahnsinnig viel erlebt und wollen keinen Programmpunkt davon missen, selbst nicht den Ausflug nach Mutianyu. Neben vielen historischen Tempelanlagen und weltberühmten Sehenswürdigkeiten bietet Beijing auch Szene-Cafés und Plätze, an denen man fernab des Trubels entspannen kann und in das ursprüngliche China eintauchen kann. Für mich wird es definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich diese vielseitige und moderne Metropole besucht habe!


Du möchtest auch mal nach Beijing reisen und weißt nicht genau, was Du Dir anschauen sollst? Schreib Deine Fragen in die Kommentare, sodass ich Dir Tipps geben kann, was die absoluten Must-Sees der Stadt sind!